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 MIGRÄNEPROPHYLAXE

Etwa jeder zwölfte Mann und jede achte Frau in Deutschland leiden unter einer Migräne. Für die Betroffenen sind die einseitigen, pulsierenden oder pochenden Kopfschmerzen mehr als eine Befindlichkeitsstörung. Sie lassen sich meist nur mit dem Griff zur Schmerztablette bewältigen und führen nicht selten zu einer Krankschreibung.

Wer unter Migräne leidet, sollte langfristig die Beschwerden nicht in Eigenregie behandeln. Ein Besuch beim Arzt kann klären, ob die eigene Diagnose stimmt. Der Arzt berät auch, welche Mittel zur Behandlung der Migräne am besten geeignet sind. Denn die rezeptfreien Schmerzmittel sind bei Migräne nicht immer Mittel der ersten Wahl. Daneben können Migränepatienten auch mit ihrem Arzt besprechen, welche Maßnahmen zur Prophylaxe eines Migräneanfalls für sie am besten geeignet sind.

Auslöser vermeiden
Bei den meisten Menschen gibt es bestimmte Auslöser („Trigger"), die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Migräneanfall führen. Allerdings sind die Auslöser individuell verschieden, so dass im Einzelfall Ausprobieren angesagt ist. Dabei kann ein Kopfschmerz-Tagebuch helfen, in das die Betroffenen Ereignisse, Lebensumstände und Migräneanfälle eintragen. So kann häufig ein Zusammenhang hergestellt werden. Bei manchen Frauen hat beispielsweise der Menstruationszyklus einen Einfluss auf das Auftreten einer Migräne. Andere Patienten reagieren dagegen empfindlich auf Wetterumschwünge oder bestimmte Nahrungs- und Genussmittel.

Regelmäßigkeit
Bei vielen Migräne-Patienten können Störungen im gewohnten Tagesablauf einen Migräneanfall auslösen. Dazu gehört etwa ein Schlaf-Defizit, aber auch langes Ausschlafen am Wochenende kann sich bemerkbar machen. Unregelmäßige Mahlzeiten werden ebenfalls als Trigger eines Anfalls angesehen, weil dadurch der Blutzuckerspiegel und der Flüssigkeitshaushalt schwanken können. Migräne-Patienten sollten also regelmäßig schlafen, essen und trinken.

Stress als Trigger
Auch Stress in Beruf und Familie kann Migräneanfälle auslösen. Kopfschmerzexperten empfehlen deshalb, gezielt eine Entspannungstechnik zu erlernen, beispielsweise die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Auch Ausdauersportarten können hilfreich sein. Betroffene sollten sich dabei aber nicht überanstrengen, da körperliche Erschöpfung auch einen Migräneanfall auslösen kann. Sinnvoll ist deshalb ein moderates Training.

Medikamentöse Prophylaxe
Unter bestimmten Umständen kann es notwendig sein, mit Medikamenten die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Das ist beispielsweise der Fall, wenn monatlich mehr als drei Anfälle auftreten, die Migräne länger als drei Tage andauert oder der individuelle Leidensdruck sehr hoch ist. Die am besten wirksamen Arzneimittel sind verschreibungspflichtig. Diskutiert wird auch die Wirksamkeit von Magnesiumpräparaten, Vitamin B2, Coenzym Q10 und anderen Substanzen. Bei sehr starken Beschwerden sind diese Mittel aber meist nicht ausreichend wirksam. Migräne-Patienten sollten deshalb individuell mit ihrem behandelnden Arzt besprechen, ob bei ihnen eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll ist und welches Mittel für sie am besten geeignet ist.

ENTSPANNUNGSTRAINING

Autogenes Training
Nerven, Muskeln und Kreislauf willentlich entspannen

Das vegetative Nervensystem beeinflusst im Körper Vorgänge wie den Herzrhythmus oder die Atmung, die für das Überleben notwendig sind und deshalb nicht der willentlichen Steuerung unterliegen. Bei Stress wird ebenfalls das vegetative Nervensystem aktiviert und vermittelt Reaktionen wie Herzklopfen oder Schweißausbrüche. Das autogene Training versucht, über willentliche Selbstbeeinflussung den Signalen des vegetativen Nervensystems entgegen zu steuern und damit körperliche und psychische Entspannung zu erzeugen. Autogen bedeutet dabei, dass die Einflüsse nicht von außen, sondern aus dem Menschen selbst heraus kommen.

Beim autogenen Training werden dabei sogenannte Vorsatz- oder Leitformeln benutzt, beispielsweise „Mein rechter Arm ist ganz schwer". Während der Übungen wiederholt der Übende die Vorsatzformel mehrfach und stellt sich diesen Zustand vor. Mit etwas Übung stellt sich dieser Zustand auch tatsächlich ein - im konkreten Beispiel entspannen sich die Armmuskeln, so dass der Arm als schwer wahrgenommen wird. Ähnliche Übungen gibt es auch für die Durchblutung, den Atem, das Herz und andere Körperbereiche. Durch die Übungen soll sich nach und nach eine gelassene Grundhaltung einstellen. Aber auch in schwierigen Situationen können die Übungen zur gezielten Entspannung eingesetzt werden. Es wird empfohlen, autogenes Training über einen Zeitraum von acht Wochen zwei- bis dreimal täglich für fünf Minuten zu üben.

Wissenschaftlich hat sich gezeigt, dass autogenes Training tatsächlich nachweisbar Zustände im Körper verändert. So kann etwa die „Wärmeübung" dazu führen, dass sich die Blutgefäße im Körper erweitern und die Durchblutung in dem angesprochenen Bereich erhöht - und damit diese Region auch wärmer wird. Das klassische autogene Training wird in zwei Stufen, die Unter- und die Oberstufe eingeteilt. Zur Unterstufe gehören die beschriebenen Entspannungsübungen, während die Übungen der Oberstufe meist im Rahmen einer Psychotherapie eingesetzt werden.

Progressive Muskelentspannung nach Jacobson

Während beim autogenen Training die Entspannung im Kopf beginnt, setzt die progressive Muskelentspannung nach Jacobson am Körper an. Allerdings wird auch hier ein Zusammenhang zwischen Körper und Seele genutzt: Bei psychischer Anspannung sind häufig die Muskeln verspannt. Umgekehrt gilt, dass die Entspannung der Muskulatur auch eine psychische Entspannung hervorrufen kann. Bei den Übungen werden üblicherweise nacheinander bestimmte Muskelgruppen für 5 bis 10 Sekunden angespannt. Darauf folgt eine Entspannungsphase von etwa einer halben Minute. Sowohl während der Anspannung als auch während der Entspannung soll der Übende seine Aufmerksamkeit bewusst auf die Empfindungen lenken.

Erfahrungsgemäß kann die progressive Muskelentspannung schneller erlernt werden als etwa das autogene Training. Trotzdem wird eine mehrwöchige Übungsphase mit 10 bis 20 Minuten täglich empfohlen, um die Technik abrufbar zu beherrschen. Im Alltag kann man dann schnell wahrnehmen, ob die Muskulatur stressbedingt angespannt ist, und durch bewusste Lockerung dagegen angehen.

Neben dem psychischen Stressabbau soll die progressive Muskelentspannung nicht nur bei spannungsbedingten Rücken- oder Kopfschmerzen helfen, sondern sich auch positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken.


Yoga

Auch die traditionelle indische Heilkunde, das Ayurveda, kennt den Zusammenhang zwischen Körper, Geist und Seele. Yoga (speziell das Hatha-Yoga) ist ein Teil davon und umfasst verschiedene Körperübungen. Neben Atem- und Entspannungsübungen gehören dazu die Asanas, die Körperstellungen, die am häufigsten mit dem Begriff „Yoga" verbunden werden. Wer die Asanas übt, trainiert Kraft und Ausdauer der Muskeln und verbessert sowohl die Beweglichkeit als auch den Gleichgewichtssinn. Dadurch soll auch die innere Ausgeglichenheit gefördert werden. Außerdem stärkt es auch das Wohlbefinden, wenn etwa durch die Aufrichtung der Wirbelsäule bei der Atmung mehr Luft in den Brustkorb gelangt und der Körper so besser mit Sauerstoff versorgt wird.

Bei bestimmten Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Bandscheibenproblemen ist es zu empfehlen, erst mit dem Arzt zu sprechen, bevor die Yogaübungen begonnen werden. Manche Asanas können diese Beschwerden verstärken. Um eine Überdehnung von Muskeln, Bändern und Gelenken zu vermeiden, sollten Anfänger einen entsprechenden Kurs besuchen, bei dem sie die richtige Ausführung der Körperstellungen lernen.


Zuschuss durch die Krankenkassen

Die vorgestellten Entspannungstechniken lassen sich am besten in Kursen lernen, wie sie etwa Sportvereine, Krankenkassen oder Volkshochschulen anbieten. Unter bestimmten Voraussetzungen sind diese Angebote von den Krankenkassen als Präventionskurse anerkannt. Dann können Versicherte einen Zuschuss ihrer Krankenkasse zu den Kurskosten bekommen (in der Regel 80 % der Kosten).


Altmodisches Modell?

Wem die vorgestellten Techniken zu esoterisch sind, kann auch auf ein scheinbar altmodisches Konzept zurückgreifen: die Adventszeit. Die Vorweihnachtszeit kann ein Anlass sein, sich bewusst nach der Arbeit mit einer Tasse Tee hinzusetzen, eine Kerze anzuzünden, ein Buch zu lesen oder Zeit mit der Familie zu verbringen. Ein solches Ritual signalisiert dem Körper, dass die Arbeit vorbei ist und er sich auf freie Zeit einstellen kann. Ein kurzer Rückblick auf die Ereignisse des Tages hilft, innerlich abzuschalten und zur Ruhe zu kommen.