Bioverfügbarkeit
Was versteht man unter Bioverfügbarkeit?
Unter Bioverfügbarkeit versteht man die Menge eines Nährstoffs, die
tatsächlich aus dem Lebensmittel in den Körper aufgenommen und für diesen
verfügbar gemacht wird. Diese Menge entspricht nicht unbedingt der Menge, die
über die Nahrung zugeführt wird. Dabei geben die Mechanismen der Absorption
(Nährstoffaufnahme aus dem Darm in den Körper) Auskunft über das Verhältnis
der mit der Nahrung zugeführten Menge zu der vom Körper aufgenommenen Menge.
Auf dem Weg durch den Magen-Darm-Trakt kommt es zu einigen Wechselwirkungen mit
verschiedenen anderen Stoffen, die möglicherweise im Lebensmittel selbst
enthalten sind oder gleichzeitig über andere Nahrungsmittel aufgenommen werden.
Durch diese Interaktionen kann die Bioverfügbarkeit positiv oder negativ
beeinflusst werden. Daher kann die Kombination von bestimmten Lebensmitteln für
die Aufnahmefähigkeit eines Nährstoffs sehr hilfreich sein. Aber auch schon
vor der Aufnahme in den Körper kann die Verfügbarkeit der Nährstoffe
verändert werden. So werden durch Kochen und Backen, einige Mineralstoffe erst
zugänglich gemacht, andere hingegen zerstört, wie z. B. hitzeempfindliche
Vitamine.
Wofür braucht man Angaben über die Bioverfügbarkeit?
Eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit eines Menschen ist eine
möglichst optimale Zusammenstellung der Lebensmittel. Als Anhaltspunkt für die
geeignete Menge an den Nährstoffe Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate sowie
Vitamine und Mineralstoffe werden die Zufuhrempfehlungen der Deutschen
Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) herangezogen. Dabei wird auch die
Bioverfügbarkeit mit einbezogen, da diese von Nährstoff zu Nährstoff
individuell sehr unterschiedlich sein kann.
Entscheidend ist einerseits die chemische Bindungsform des Nährstoffs, die
Konzentration in der Nahrung und die Zusammensetzung des Lebensmittels.
Andererseits ist die Menge der aufgenommenen Nahrung und ihre Verweildauer im
Körper von Interesse. Der pH-Wert im Magen-Darm-Trakt und Wechselwirkungen mit
anderen Nahrungsbestandteilen spielen ebenfalls eine Rolle.
Welche Wechselwirkungen gibt es?
Bei den Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Nährstoffen unterscheidet
man direkte und indirekte Wechselwirkungen.
Bei einer direkten Wechselwirkung hemmt ein Nährstoff die Absorption eines
anderen Nährstoffs. Mindestens zwei Nährstoffe benutzen hier den selben
Transportmechanismus, um durch die Darmwand in den Organismus zu gelangen. Ist
dieser Transportmechanismus besetzt, kann ein anderer Nährstoff, der auch
diesen Transportmechanismus benötigt nicht vollständig aufgenommen werden. Er
wird teilweise wieder ausgeschieden - seine Bioverfügbarkeit ist also
herabgesetzt. Eine direkte Interaktion besteht z. B. bei Kupfer, Zink,
Cadmium, Eisen und Mangan.
Bei der indirekten Interaktion ist ein Nährstoff A am Stoffwechsel eines
anderen Nährstoffs B beteiligt, d. h. wenn zu wenig von Nährstoff A
vorhanden ist, kann Nährstoff B auch nicht vollständig genutzt werden. Das ist
z. B. bei Kupfer und Eisen der Fall.
Wie sieht die Bioverfügbarkeit der Hauptnährstoffe aus?
Fett
Damit das Fett aufnahmefähig wird, muss es zunächst gespalten und in so
genannten Micellen verpackt werden. Micellen sind kleine Fetttröpfchen, für
deren Bildung die Anwesenheit von Gallensalzen von großer Bedeutung ist.
Nicht alle Fette werden gleich gut aufgenommen. Fette mit niedrigen
Schmelzpunkten werden deutlich besser absorbiert als Fette mit höheren
Schmelzpunkten. Zu den Fetten mit niedrigen Schmelzpunkten gehören z. B.
Olivenöl, Sonnenblumenöl und andere Öle. Sie enthalten auch wesentlich
größere Mengen an ungesättigten Fettsäuren als Fette mit höheren
Schmelzpunkten. Je näher er an der Körpertemperatur von etwa 37 ° C liegt,
desto besser ist die Aufnahme in den Körper. So wird z. B. Olivenöl,
welches bei Zimmertemperatur flüssig ist, zu 98 % absorbiert. Dagegen wird
Rindertalg mit einem Schmelzpunkt von 40-50 ° C nur zu 93 % absorbiert.
Kohlenhydrate
Bei den Kohlenhydraten wird die Aufnahme in den Körper durch verschiedene
Faktoren beeinflusst. Ebenso wie die Fette müssen die Kohlenhydrate in kleine
Bruchstücke gespalten werden, bevor der Organismus sie aufnehmen kann.
Die Absorption einiger Kohlenhydrate wird durch die Konzentration bestimmt. Des
Weiteren können auch die Transportmechanismen gehemmt werden. Dies kann durch
Konkurrenz um den jeweiligen Transportmechanismus entstehen oder durch
Behinderung der Zellatmung (Energiefreisetzung in der Zelle).
Einen großen Einfluss auf die Bioverfügbarkeit verschiedener Nährstoffe
haben die Ballaststoffe. Sie verkürzen die Darmpassage des Nahrungsbreis,
wodurch es zu einer geringeren Aufnahme der enthaltenen Nährstoffe kommt.
Weiterhin werden durch Ballaststoffe verschiedene Enzyme (z. B.
Pankreatische Enzyme, Lipase, Amylase) gehemmt und Gallensäuren gebunden. Wie
bereits erwähnt, werden die enthaltenen Gallensalze jedoch für die
Micellenbildung und somit für die Fettaufnahme benötigt. Die Beeinflussung der
Energieaufnahme spielt jedoch in den Industrieländern keine wesentliche Rolle,
da in den meisten Fällen zuviel Energie aufgenommen wird. Enzyme benötigt der
Körper z. B. um Stoffwechselvorgänge zu beschleunigen. Die Aufnahme an
Vitaminen wird durch die Ballaststoffe kaum beeinflusst. Was allerdings kritisch
betrachtet werden muss, ist die verminderte Absorption von Mineralstoffen. Dies
wird meist nicht durch die Ballaststoffe selbst verursacht, sondern andere
Begleitstoffe in den jeweiligen Lebensmitteln. Zu diesen Begleitstoffen zählen
z. B. Phytinsäure und Oxalsäure.
Phytinsäure bildet mit einigen Mineralstoffen (Eisen, Calcium, Magnesium und
Zink) und Eiweiß Komplexe. In den Komplexen sitzen die Mineralstoffe so fest,
dass sie nicht mehr aufgenommen werden können. Die Bioverfügbarkeit dieser
Nährstoffe ist entsprechend vermindert. Die Oxalsäure bildet mit Calcium
zusammen Calciumoxalat. Dieses ist praktisch unlöslich und somit das Calcium
nicht mehr absorbierbar.
Obwohl ballaststoffreiche Lebensmittel somit die Bioverfügbarkeit einiger
Nährstoffe einschränken, sollte dies nicht zu dem Schluss führen, diese
Lebensmittel vom Speiseplan zu streichen. Vielmehr ist es günstig den Verzehr
noch zu erhöhen, da eine ballaststoffreiche Ernährung viele Vorteile bietet,
wie z. B. längere Sättigung und Anregung der Darmbewegungen. Außerdem
sind in diesen Lebensmitteln höhere Mengen an den essenziellen Nährstoffen
enthalten, so dass trotz der geringeren Bioverfügbarkeit mehr wichtige
Nährstoffe in den Organismus gelangen
Eiweiß
Bei diesem Nährstoff ist es wichtig, die Begriffe "biologische
Wertigkeit" und "Bioverfügbarkeit" voneinander abzugrenzen. Beim
Eiweiß spielt der Begriff der biologischen Wertigkeit eine große Rolle. Diese
bezeichnet die Qualität eines Nahrungsproteins. Ein optimales Nahrungseiweiß
würde exakt dem Muster entsprechen, das genau in diesem Moment vom Körper
benötigt wird. Solch ein Protein existiert jedoch nicht.
Bei einer ausreichenden Energieversorgung spielt die Menge des aufgenommenen
Proteins für die biologische Wertigkeit keine Rolle. Sie gibt an, wie viele
Teile Körperprotein durch 100 Teile Nahrungsprotein vertreten werden können.
Eiweiße sind aus vielen kleinen Bausteinen, den so genannten Aminosäuren
aufgebaut. Für die biologische Wertigkeit ist nun das Verhältnis von
essenziellen Aminosäuren, d. h. von Aminosäuren, die der Körper nicht
selbst herstellen kann, zu nicht-essenziellen Aminosäuren von Bedeutung. Je
mehr das Aminosäure-Muster der Nahrung dem Bedarf entspricht, desto
höherwertiger ist das Eiweiß. Dabei können sich die verschiedenen Eiweiße
untereinander ergänzen. Daher ist eine Kombination von verschiedenen
Lebensmitteln besonders günstig.
So steigt die biologische Wertigkeit, wenn z. B. folgende Nahrungsmittel
miteinander kombiniert werden :
Die Eiweißmischung mit der höchsten biologischen Wertigkeit besteht aus
36 % Ei und 64 % Kartoffeln.
Die Eiweißaufnahme kann aber auch durch bestimmte Faktoren beeinträchtigt sein
und somit die Bioverfügbarkeit bestimmen. Bei einer Hitzebehandlung oder langer
Lagerung kann sich z. B. die Verfügbarkeit der Aminosäuren verringern.
Auch bei den Aminosäuren kann es zu Interaktionen kommen, wenn eine Aminosäure
z. B. im Überfluss vorhanden ist und somit die Verwertung anderer
Aminosäuren beeinträchtigt. Daher ist im Gegensatz zur biologischen Wertigkeit
die Menge des Eiweißes mitentscheidend.
Bestimmte Proteine können auch die Aufnahme von Vitaminen beeinflussen,
z. B. das im rohen Eiklar enthaltene Avidin bindet Biotin. Werden häufig
rohe Eier verzehrt, kann es somit zu Mangelzuständen an Biotin kommen.
Wie sieht die Bioverfügbarkeit der Vitamine aus?
Vitamine sind Nährstoffe, die keine Bauelemente von Geweben oder Organen
darstellen. Sie müssen mit der Nahrung zugeführt werden, da der Körper sie
nicht oder nicht in ausreichender Menge selbst herstellen kann. Im Prinzip sind
Vitamine nicht miteinander vergleichbar, denn sie üben sehr unterschiedliche
Funktionen im Organismus aus. Aus diesen Gründen kann auch nichts über die
Bioverfügbarkeit von Vitaminen allgemein gesagt werden, sondern jedes Vitamin
muss für sich betrachtet werden.
Es existiert eine Unterteilung der Vitamine in fettlösliche und wasserlösliche
Vitamine. Den fettlöslichen Vitaminen ist gemein, dass ihre Verfügbarkeit bei
extrem fettarmer Kost (< 10 g Fett pro Tag) abnimmt.
Fettlösliche Vitamine
Vitamin A
Die Versorgung mit Vitamin A erfolgt über die Aufnahme des Vitamins oder seiner
Vorstufen, der Carotinoide. Dabei ist die Absorptionsrate des Vitamins bei
ausreichender Fettzufuhr (60 g pro Tag) sehr hoch (> 80 %), die der
Carotinoide nur halb so gut. Aus diesem Grund wurden so genannte
Retinoläquivalente eingeführt, die angeben, inwieweit sich das Vitamin und die
Vorstufen gegenseitig ersetzen können. Dabei ist die Carotinumwandlung in
Vitamin A bei vollen Vitamin A-Speichern eingeschränkt.
Bei Leberschäden, Pankreasinsuffizienz (Störung der Bauchspeicheldrüse),
Gallensäuremangel (Beeinträchtigung der Fettverdauung), Proteinunterversorgung
sowie Eisen- und Zinkmangel ist die Verfügbarkeit herab gesetzt.
Auch die Fettart beeinflusst die Absorption. So sind gesättigte Fettsäuren bei
der Vitamin A- und Carotinoidabsorption effektiver als ungesättigte.
Gesättigte Fettsäuren sind vor allem in tierischen Fetten, Kokosfett und
Milchfett enthalten.
Vitamin D
Vitamin D wird bei ausreichender Sonneneinstrahlung in der Haut synthetisiert.
Diese körpereigene Bildung kann durch verschiedene Faktoren beeinträchtigt
sein.
Ältere Menschen können häufig nicht mehr so viel Vitamin D in der Haut
herstellen, wie sie benötigen.
Die Vitamin D-Bildung ist auch saisonabhängig. So treten wesentlich weniger
Rachitisfälle (durch Vitamin D-Mangel bedingte Erkrankung) bei Kindern in den
letzten Sommermonaten auf, als nach dem Winter oder zu Frühlingsbeginn.
Die Bioverfügbarkeit wird herabgesetzt durch ständige Aufnahmestörungen
bestimmter Nährstoffe bei Erkrankungen (Morbus Crohn, Zöliakie, Leber- und
Nierenschäden, Cystische Fibrose), eine gestörte Fettverdauung und einige
Medikamente.
Vitamin E
Die Absorption des Vitamin E erfolgt wie die der Fette, somit hängt die
Bioverfügbarkeit auch stark von der Art des Fettes ab, das gleichzeitig mit der
Nahrung zugeführt wird. Mittelkettige Fettsäuren fördern die Absorption,
langkettige Fettsäuren beeinträchtigen diese. Jeder Prozess, bei dem die
Fettverdauung beeinträchtigt ist, wie z. B. verminderte Produktion von
Gallensalzen, kann zu einem Vitamin E-Mangel führen.
Vitamin K
Durch langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren kann es bei diesem Vitamin
zu einer Verschlechterung der Absorption kommen. Die Verfügbarkeit ist bei
einem Mangel, bei Fettabsorptionsstörungen, einer vermehrten Ausscheidung, bei
Störungen der Gallenfunktion und Leberschäden erniedrigt. Erhöht ist die
Verfügbarkeit bei hohen Speichern in der Leber und einer verbesserten
Absorption.
Wasserlösliche Vitamine
Vitamin B1 (Thiamin)
Die Aufnahme von Vitamin B1 wird durch chronischen Alkoholismus,
sowie durch Folsäure- oder Eiweißmangel negativ beeinflusst. Durch die Zugabe
von Natron zum Kochwasser (zur Verkürzung der Kochzeit von Hülsenfrüchten)
wird das Thiamin inaktiviert und somit die Verfügbarkeit schon vor der
Nahrungsaufnahme verschlechtert. Es empfiehlt sich daher, die Hülsenfrüchte
besser vorher ausreichend lange einzuweichen und dann ohne Natronzugabe gar zu
kochen.
Vitamin B2 (Riboflavin)
Die Verfügbarkeit von Riboflavin wird durch einen basischen pH-Wert und durch
die Bindungsform erniedrigt. Dabei kommt dieses Vitamin in pflanzlichen
Lebensmitteln nur gebunden vor und ist daraus schlechter bioverfügbar, als aus
tierischen Lebensmitteln.
Die Verfügbarkeit wird ebenfalls von Medikamenten und zuviel Alkohol negativ
beeinflusst.
Vitamin B6 (Pyridoxin)
Schon vor der Nahrungsaufnahme kann die Aktivität des Vitamin B6 verändert
werden, wodurch die Bioverfügbarkeit herabgesetzt wird. Zur
Aktivitätsänderung kommt es durch Hitze, UV-Bestrahlung und feuchtigkeitsarme
Lagerung. Dadurch kann es zu Änderungen der Formen des Vitamins kommen, wodurch
die Aktivität entweder eingeschränkt wird, oder sie schlägt ins Gegenteil um
und es kommt zu einer Anti-Vitamin B6-Aktivität.
Die Verfügbarkeit wird ebenfalls durch Erkrankungen des Magen-Darm-Kanals und
durch eine vermehrte Aufnahme von Ballaststoffen erniedrigt.
Folat
Die verschiedenen Folatstrukturen sind hochempfindlich gegenüber Sauerstoff.
Bei der Lagerung folatreicher Nahrungsmittel kommt es zu oxidativen
Veränderungen, wodurch die Verwertbarkeit im Körper absinkt. Ein möglicher
Schutz gegen diese Veränderungen sind Anitoxidanzien, wie z. B. Vitamin C.
Bei einem Obstsalat aus Mango und Erdbeeren z. B. wird der Verlust an
verwertbaren Folatverbindungen durch einen Zusatz an Orangen- oder Zitronensaft
gemindert.
Eine negative Beeinflussung stellt die Aufnahme von einigen Medikamenten (z.B.
Kontrazeptiva) dar.
Vitamin B12
Die Absorption dieses Vitamins erfolgt dosisabhängig und wird durch Alkohol
erniedrigt. Hohe Dosen an Vitamin C (500 mg, bei einer Tagesempfehlung von
100 mg) können die Bioverfügbarkeit negativ beeinflussen. In fertig
gemischten Vitaminpräparaten kann das Vitamin B12 durch Vitamin C, B1,
Kupfer und Eisen inaktiv werden oder sogar Antivitamincharakter entwickeln.
Vitamin C
Vitamin C ist relativ empfindlich gegenüber Reaktionen mit Sauerstoff, so dass
man schon bei der Lagerung und der Zubereitung auf eventuelle Verluste achten
sollte. Deswegen sollten Vitamin C-reiche Gemüse und Früchte erst kurz vor dem
Verzehr zubereitet werden. Auch Fruchtsäfte, wie z. B. Orangensaft sollte
nicht lange offen stehen, da es dadurch zu beträchtlichen Verlusten kommen
kann.
Die Bioverfügbarkeit wird besonders durch das Rauchen oder eine
Medikamenteneinnahme (z.B. Kontrazeptiva) beeinträchtigt.
Wie sieht die Bioverfügbarkeit der Mineralstoffe aus?
Mineralstoffe benötigt der Mensch zur Aufrechterhaltung bestimmter
Stoffwechselvorgänge. Da sie nicht selbst hergestellt werden können, müssen
sie mit der Nahrung aufgenommen werden. Die Mineralstoffe werden eingeteilt in
Mengen- und Spurenelemente, je nach mengenmäßigem Anteil im Körper. Ähnliche
Wirkungen im Organismus werden dabei jedoch nicht berücksichtigt.
Mengenelemente
Calcium
Calcium ist nicht nur in Milch und Milchprodukten, sondern auch in einigen
pflanzlichen Lebensmitteln enthalten, wobei die Bioverfügbarkeit aus Milch
deutlich höher ist. Zu den hemmenden Faktoren der Bioverfügbarkeit gehört die
Phosphorsäure, Oxalsäure, Phytinsäure, gesättigte Fettsäuren, viele
Ballaststoffe, eine erhöhte Darmbewegung und ein Vitamin D-Mangel. Diese
Faktoren führen zu einer verminderten Absorption, ebenso wie bestimmte
Medikamente und verschiedene Erkrankungen (Zöliakie, Morbus Crohn).
Die Bioverfügbarkeit kann auch durch eine erhöhte Ausscheidung mit dem Urin
negativ beeinflusst werden. Dazu kommt es, wenn viel Eiweiß und Salz in der
Nahrung enthalten sind oder viel Kaffee und Alkohol getrunken wird.
Neben den hemmenden Faktoren gibt es auch Faktoren die die Bioverfügbarkeit
fördern. So wird durch Vitamin D, einfache Zucker (z. B. Laktose) und
Fruchtsäuren die Aufnahme gesteigert. Somit ist es günstig Quark und Joghurt
nicht pur, sondern mit Früchten zu verzehren, da das Calcium durch die
Fruchtsäuren besser aufgenommen werden kann. Daneben besteht auch die
Möglichkeit die Verfügbarkeit durch eine Mischung aus Joghurt und
Fruchtsäften zu erhöhen.
Phosphor
Phosphor kommt in praktisch allen Lebensmitteln vor, ist jedoch aus tierischen
besser verwertbar als aus pflanzlichen.
Die Absorption des Phosphors wird durch Vitamin D und hohe pH-Werte begünstigt.
Sie wird herabgesetzt durch phosphatfällende Mineralien, wie z. B. Eisen
und Aluminium.
Die Absorptionsrate ist auch vom Alter abhängig. In der Wachstumsphase können
Kinder wesentlich größere Mengen aus der Milch absorbieren als Erwachsene.
Magnesium
Die Bioverfügbarkeit von Magnesium wird durch einen hohen Ballaststoffgehalt in
der Kost vermindert, da es zur Bildung von schwer absorbierbaren
Magnesium-Komplexen kommen kann. Die Absorption kann weiterhin durch Alkohol und
Konservierungsstoffe beeinträchtigt sein und hängt auch stark von der
Bindungsform ab. Die Magnesiumsalze von Oxalsäure, Phytinsäure und einigen
Fettsäuren können teilweise oder gar nicht gespalten werden und sind somit
nicht verwertbar.
Gesteigert wird die Absorption durch Laktose und wahrscheinlich auch noch durch
andere Kohlenhydrate, die die Fermentation stimulieren.
Daneben verschlechtert Magnesium die Absorption von Phosphat, da diese beiden
Mineralstoffe zusammen Magnesiumphosphat bilden. Die dadurch ebenfalls
verringerte Magnesiumabsorption wird durch eine Senkung der Ausscheidung über
die Niere kompensiert.
Spurenelemente
Eisen
Eisen hat allgemein eine geringe Bioverfügbarkeit, es muss aber unterschieden
werden zwischen Häm- und Nicht-Hämeisen. Nicht-Hämeisen ist in pflanzlichen
Nahrungsmitteln enthalten und wird bei gleichzeitiger Aufnahme von Vitamin C,
anderen organischen Säuren (z. B. Zitronensäure), schwefelhaltigen
Aminosäuren und Eiweiß aus Fleisch oder Fisch wesentlich besser absorbiert.
Möglicherweise hat auch Fruktose einen positiven Einfluss. Zu einer
verminderten Absorption kommt es durch Aufnahme von Phytaten, Weizenkleie,
Polyphenole (in Tee), Kaffee, Soja- und Milcheiweiß, Eialbumin, Calciumsalzen,
Phosphat und Oxalat.
Das Hämeisen, welches in Fleisch vorkommt, wird von den genannten Faktoren
nicht beeinflusst.
Wird zu einer vegetarischen Gemüsemahlzeit Vitamin C-reicher Saft getrunken,
verbessert sich die Bioverfügbarkeit. Noch besser ist es, verschiedene
tierische und pflanzliche Nahrungsmittel zu kombinieren, wie z. B. Kalbsfleisch
und verschiedene eisenreiche Gemüse. Dadurch verändert sich die Verwertbarkeit
des Hämeisens nicht, aber die Bioverfügbarkeit des Nicht-Hämeisens wird
erheblich verbessert.
Jod
Neben der Aufnahme durch Fisch spielt auch das Trinkwasser eine Rolle bei der
Jodversorgung. Dabei ist die Verfügbarkeit des Jods im Trinkwasser bei höherem
Härte- und Nitratgehalt geringer. Allgemein findet man in Küstenregionen
höhere Gehalte an Jod im Trinkwasser.
Um ausreichend versorgt zu sein, sollte man jodiertes Speisesalz verwenden und
1-2 mal pro Woche Fisch essen.
Zink
Allgemein wird Zink aus tierischen Lebensmitteln besser verwertet, als aus
pflanzlichen, da in den pflanzlichen Lebensmitteln Phytinsäure enthalten ist.
Dabei wird die Hemmung durch die Phytinsäure durch Calcium noch verstärkt, da
die beiden Mineralstoffe mit der Säure einen unlöslichen Komplex bilden.
Tierisches Eiweiß verbessert die Bioverfügbarkeit von Zink aus pflanzlicher
Kost mit hohen Phytingehalten. In neuen Untersuchungen wurde gezeigt, dass sich
der Körper bei längerem Verzehr von phytatreichen Lebensmitteln darauf
einstellt.
Neben der Phytinsäure vermindern auch Tannine (z. B. in Kaffee und Tee)
die Bioverfügbarkeit, ebenso wie Alkohol.
Bei einer hohen Zinkaufnahme wird die Kupferabsorption gehemmt, bei einem
Zinkmangel kommt es zu einer geringeren Eisenabsorption. Ebenso kann durch
pharmakologische Eisendosierungen die Zinkabsorption verringert sein.
Fazit
Die Bioverfügbarkeit der verschiedenen Nährstoffe ist ein recht komplexes
Thema. Es ist unmöglich die Nahrungsmittel so zu kombinieren, dass alle
Nährstoffe optimal bioverfügbar sind. Durch eine abwechslungsreiche Kost und
durch Kombination bestimmter tierischer und pflanzlicher Lebensmittel lässt
sich die Aufnahme einiger Nährstoffe jedoch durchaus positiv beeinflussen.
Literatur