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 Fastenkuren

Allgemeines

Fasten stellt im Gegensatz zum Hungern einen freiwilligen, totalen bzw. weitgehenden, Nahrungsverzicht dar. Dieser kann aus unterschiedlichsten Gründen vollzogen werden und ist auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt.
Basierend auf jahrtausendalten religiösen Traditionen, steht heute vor allem der medizinisch-therapeutische Aspekt im Vordergrund. Diese Entwicklung ist besonders in den Industrieländern zu erkennen und beruht auf der Erkenntnis, dass viele sogenannte Zivilisationserkrankungen ernährungsbedingte Ursachen haben.
Im Folgenden werden die am häufigsten durchgeführten Fastenkuren vorgestellt.

Welche Fastenkuren gibt es?

Totalfasten

Das totale Fasten, auch "Nulldiät" genannt , bezeichnet die strengste Form des Fastens, da auf jegliche Nahrungsaufnahme verzichtet wird. Der Fastende nimmt täglich lediglich 2-3 Liter kalorienfreier Getränke wie Mineralwasser und Kräutertee auf. Um einer Unterversorgung an Vitaminen und Mineralstoffen entgegenzuwirken, werden diese wichtigen Nährstoffe oft zusätzlich in Form von Präparaten zugeführt.

Modifiziertes Fasten

Weitere Bezeichnungen für diese Art des Fastens sind "proteinsparendes bzw. -substituiertes Fasten" oder im englischen Sprachgebrauch "protein-sparing modified fast" (PSMF).
Es entspricht dem Totalfasten mit dem Zusatz einer täglichen Aufnahme von 30g Eiweiß. Diese Eiweißmenge kann durch eine spezielle Diät mit niedrigem Kaloriengehalt gedeckt werden. So werden zu Therapiezwecken stark Übergewichtiger z.B. Formuladiäten eingesetzt, die eine tägliche Zufuhr von 30-50 g Eiweiß, 25-45 g Kohlenhydraten und 1-7 g Fett ( v.a. essentielle Fettsäuren, d.h. lebensnotwendige Fettsäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann) garantieren. Mit dem modifizierten Fasten kann, im Gegensatz zum Totalfasten, dem Abbau von körpereigenem Eiweiß entgegengewirkt werden und in der Regel ein besseres Allgemeinbefinden des Fastenden erreicht werden.

Heilfasten

Diese Fastenform wurde von Dr. Otto Buchinger geprägt, weshalb man auch von der Bezeichnung "Heilfasten nach Buchinger" hören kann.
Diese Methode des Fastens empfiehlt sich sowohl als Therapie für bestimmte Erkrankungen, als auch als vorbeugende Maßnahme.
Die gesamte Dauer der Heilfastenkur beträgt ca. 3-4 Wochen.
Sie beginnt mit 1-3 Entlastungstagen als Obst-, Hafer-oder Reistage, an denen die Kalorienzufuhr von 600 kcal/Tag nicht überschritten wird. Zugeführt werden dabei vor allem Kohlenhydrate, wenig Eiweiß und kein Fett. Das Ziel ist, den Körper langsam auf die eigentliche Fastenperiode vorzubereiten. Diese sieht am ersten Tag eine Darmentleerung durch Einnahme von Natriumsulfat (Glaubersalz) vor. Eine weitere Darmentleerung erfolgt an jedem zweiten Tag durch einen Einlauf.
Während der Kur soll eine ausreichende Flüssigkeitsmenge aufgenommen werden. Buchinger empfiehlt morgens und nachmittags je ¼ l Tee, mittags ¼ l Fruchtsaft und zusätzlich über den ganzen Tag verteilt 2 l Mineralwasser.
Die letzte Phase des Fastens, das sogenannte "Fastenbrechen", dient der Umstellung zurück auf die "normale" Ernährung. Es muss darauf geachtet werden, dass diese Umstellung langsam und stufenweise erfolgt, damit die Produktion von Verdauungssäften im Magen-Darm-System wieder langsam angeregt wird. Bauchschmerzen bis hin zu starken Magenkrämpfen kann so vorgebeugt werden. Geeignete Lebensmittel für das Fastenbrechen sind z.B. Äpfel, Gemüse-und Kartoffelsuppen sowie milde Rohkostsalate. Man sollte auch weiterhin auf eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2 l pro Tag achten.
Begleitend umfasst Buchingers Programm ausreichend Bewegung, frische Luft, Entspannungs-, Physio- und Psychotherapie.

Saftfasten

Das Saftfasten nach Buchinger-Lützner sieht lediglich die Aufname von Obstsäften, Gemüsebrühe und Kräutertee mit Honig vor. Somit werden täglich etwa 50 g Kohlenhydrate aufgenommen.
Diese Fastenkur kann über einen längeren Zeitraum oder als Fastenschalttage, d.h. für 1-2 Tage pro Woche oder Monat, durchgeführt werden. Das Ziel ist meist eine Gewichtsreduktion bzw. ein Abbau von Risikofaktoren für Erkrankungen, die mit Übergewicht in Zusammenhang stehen.

Molke-Fasten

Das Molke-Fasten, auch "Molke-Trinkkur" genannt, ist, ebenso wie das Saftfasten, eine modifizierte Form des totalen Fastens.
Pro Tag wird 1 l Molke in kleinen Portionen über den gesamten Tag verteilt, getrunken. Molke ist ein Abfallprodukt der Käseherstellung. Sie enthält hochwertiges Eiweiß, Kohlenhydrate und Milchsäure (der ein besonderer therapeutischer Effekt nachgesagt wird), ist dabei gleichzeitig sehr fett- und kalorienarm. Zusätzlich zur Molke soll der Fastende bestimmte Pflanzensäfte wie z.B. aus Brennessel, Löwenzahn und Kamille sowie Kräutertees und Mineralwasser trinken.
Die Dauer der Molke-Kur kann stark variieren; sie beträgt einige Tage bis 4 Wochen.

Milch-Semmel-Kur

Die Milch-Semmel-Kur wurde von Franz Xaver Mayr entwickelt und kann deshalb auch als MAYR-Kur bezeichnet werden.
Begonnen wird die Kur mit einem 3-4 -tägigen Teefasten, an das sich die eigentliche Fastenperiode anschließt. In dieser empfiehlt Mayr täglich morgens und mittags eine Milch-Semmel-Mahlzeit und abends 2-3 Tassen Kräutertee mit Honig und Zitronensaft. Insgesamt sollten pro Tag ca. 3 l Flüssigkeit getrunken werden.
Altbackene Semmeln, die nach Vorschrift gekaut werden müssen, und Milch sind die wesentlichsten Bestandteile der Kur. Fastende, die Milch nicht vertragen, können statt dessen Quark, Hafer-, Gerste- oder Weizensuppe verzehren.
Neben der Ernährungstherapie sieht Mayr eine tägliche Massage des Bauches vor, die von einem Arzt durchgeführt werden sollte und deren Ziel die Anregung der Darmtätigkeit ist.
Die Gesamtdauer der MAYR-Kur umfasst etwa 3 Wochen.

Schroth-Kur

Benannt nach dem Bauer und Naturheilarzt Johann Schroth, setzt sich diese Fastenkur aus 3 Trockentagen und je 2 kleinen und großen Trinktagen zusammen. Deshalb findet man in der Literatur auch den Begriff "Trockentag-Trinktag-Wechseldiät".
Erlaubt sind während der Trockentage Reis, Gries -und Haferspeisen , mit Schnittlauch und Petersilie gewürzt, Schrotsemmeln, Trockenobst und Nüsse. Die kleinen Trinktage sehen 1 l Flüssigkeit, die großen Trinktage 2 l Flüssigkeit vor. Ursprünglich wurde weißer Landwein getrunken, heute wird dieser jedoch meist gegen Obst- und Gemüsesäfte ausgetauscht.
Die Schroth-Kur zählt zum Heilfasten und hat die Aufgabe, die Selbstreinigungskraft des Körpers zu aktivieren. Zur Unterstützung der Ausscheidung von Stoffwechselprodukten dienen die täglich angewandten Schrothschen Dunstwickel.

Fastenwandern

Wie bei dem Heilfasten beginnt das Fastenwandern mit einer Entlastungsperiode, den sogenannten Obsttagen. Danach erhalten die Fastenden nur flüssige Nahrung, vor allem Tee, Mineralwasser, naturtrüben Apfelsaft und Gemüsesaft. Die tägliche Fastenwanderung beträgt 15-20 km. Nach der ersten Wanderung sollte eine Darmreinigung mittels Glaubersalz durchgeführt werden Das Fastenbrechen beginnt am letzten Tag der Wanderung durch den Verzehr eines Apfels am Mittag und einer Kartoffelsuppe am Abend.
Ziel dieser Fastenkur soll kurzfristig eine "Entschlackung" des Körpers und langfristig eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten sein.

Ziele der Fastenkuren

Einleitung

Ebenso vielfältig wie die Arten von Fastenkuren sind auch die Ziele bzw. Gründe, die jemanden zum Fasten veranlassen können. Im Allgemeinen sind sie jedoch gesundheitlicher oder religiöser Natur.

Gesundheitliche Ziele

In vielen Fällen ist eine Gewichtsreduktion das Ziel, die durch die geringe Kalorienzufuhr während einer Fastenkur erreicht werden soll. Dadurch können, besonders bei stark Übergewichtigen, gleichzeitig die Werte für Blutdruck, Blutfett, Blutzucker und Harnsäure verbessert werden, was wiederum vorbeugend gegen bestimmte andere Erkrankungen wirkt.
Fastenkuren werden jedoch nicht nur zur Gesundheitsprävention, also vorbeugend, durchgeführt, sondern auch zur Therapie von sogenannten Zivilisationskrankheiten. Dazu gehören neben Übergewicht und Bluthochdruck u.a. Fettstoffwechselstörungen, Gicht, Verstopfungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes.
Empfohlen wird das Fasten außerdem bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen. Es wird angenommen, dass ein Zusammenhang zwischen Ernährung und dieser Erkrankung besteht. Der positive Effekt des Fastens auf den entzündlichen Gelenkprozeß, wie er beim Rheuma auftritt, ist wahrscheinlich eine Folge der fehlenden Arachidonsäurezufuhr. Arachidonsäure ist ein Fettbestandteil, der in geringen Mengen in tierischen Produkten enthalten ist. Durch ihr Fehlen kommt es zu einer Verminderung in der Herstellung von Entzündungsfaktoren (sogenannte Eicosanoide), die mitverantwortlich für die Entstehung der rheumatischen Erkrankungen sind. Ein weiteres Ziel von Fastenden kann die "Entschlackung" darstellen, d.h. die Ausscheidung von zum Teil giftigen Stoffwechselzwischen- und -endprodukten. Bei optimalem Stoffwechselverlauf werden diese Produkte, die sogenannten"Schlackenstoffe" (dieser Begriff wird umgangssprachlich oft verwendet, auch wenn er in der Wissenschaft nicht existiert), restlos ausgeschieden.
Langfristige falsche Ernährungsgewohnheiten sollen jedoch zu Abweichungen des natürlichen Gleichgewichtes im Organismus führen. Folge sind nicht nur entstehende "Schlackenstoffe", sondern auch daraus resultierende stoffwechselbedingte Gelenk-, Sehnen- und Bandscheibenleiden.
Durch das Heilfasten soll nun der Körper "entschlackt" werden, zum einen über den Darm durch gründliche Darmreinigung (mittels Glaubersalz und Einläufe), zum anderen über die Niere durch das viele Trinken. Weiterhin führt die Befreiung des Darmes von der Verdauungsarbeit zur Entlastung des gesamten Organismus. Die dadurch freigelegten Kräfte können zur Stärkung der eigenen Abwehrkräfte genutzt werden.
Fastende vollziehen angeblich jedoch nicht nur Veränderungen im körperlichen, sondern auch im geistig-seelischen Bereich. Einerseits führt eine Auseinandersetzung mit Problemen und Fragen des persönlichen Lebens zu einer Neuorientierung und Selbstfindung, andererseits kann möglicherweise auch eine körpereigene chemische Substanz die Ursache für die seelische Umstimmung sein. So wurde mittels Tierexperimenten gezeigt, dass es beim Fasten zu einer vermehrten Produktion und Freisetzung von Serotonin kommt. Serotonin ist eine Substanz, die im Körper aus einer Aminosäure (Tryptophan), einem Eiweißbaustein, gebildet wird. Es nimmt eine wichtige Stellung bei der Regulation der Stimmung ein und kann diese positiv beeinflussen. Ob diese Versuchsergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, ist derzeit jedoch noch fraglich.
Einen anderen Hinweis, dass körpereigene Stoffe vermehrt durch das Fasten ausgeschüttet werden, liefern Berichte, in denen Fastende meinen, sich besonders frei und leicht während einer Fastenkur zu fühlen. Der Grund für diese Beschreibung liegt vermutlich nicht in der Selbstreinigung, wie oft behauptet, sondern vielmehr in einer Notreaktion des Körpers. Dieser produziert eine morphinähnliche Substanz, die für das Euphoriegefühl mitverantwortlich ist. Das Fasten, ähnlich dem Hungern, kann somit besser ertragen werden.

Religiöse Ziele

Auch wenn die religiösen Traditionen immer stärker in den Hintergrund treten, sind sie dennoch nicht ganz in Vergessenheit geraten.
Die christliche Fastenzeit beträgt 40 Tage, beginnend am Aschermittwoch und endend am Ostersamstag. Sie soll der Vorbereitung und Einstimmung auf das Osterfest dienen. Gleichzeitig ist die Fastenzeit auch eine Zeit der Buße, wobei der eigene Verzicht anderen zu Gute kommen soll. Neben dem Fasten bestimmen die Gabe von Almosen und das Beten die Dauer des Fastens. Die Einführung dieser Zeit der Besinnung ist keine Erfindung des Christentums, sondern findet sich in vielen Kulturen und Religionen wieder, so z.B. im Islam durch den Fastenmonat "Ramadan".
Dieser heilige Fastenmonat, der dem neunten Monat des islamischen Jahres entspricht, stellt eine der fünf Säulen des Islams (Fasten, Beten, Ablegung des Bekenntnisses, Fahrt nach Mekka, für Bedürftige spenden) dar. Neben dem völligen Nahrungs- und Trinkverzicht in der Fastenzeit, d.h. dreizig Tage lang zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, gelten u.a. Verbote bezüglich des Rauchens, der Medikamenteneinnahme (außer in lebenserhaltenen Situationen) und des Geschlechtsverkehrs.

Zusammenfassend lassen sich alle beschriebenen Ziele wie folgt auflisten:

Gewichtsreduktion
Vorbeugung bzw. Therapie von Zivilisationskrankheiten
Linderung rheumatischer Erkrankungen
"Entschlackung" und Entlastung des Körpers
positive Beeinflussung der Stimmungslage
Aufrechterhaltung religiöser Traditionen

Gesundheitliche Vor-und Nachteile

Einleitung

Neben allen positiven gesundheitlichen Effekten, die eine Fastenkur mit sich bringen kann, sollte jedem bewusst sein, dass eine solche auch verschiedene nachteilige Wirkungen auf den Körper ausüben kann. Da diese unter Umständen sehr gefährlich sein können, wird stets eine ärztliche Kontrolle während der gesamten Fastenzeit empfohlen.

Gesundheitliche Vorteile

Tatsächlich wird durch das Fasten in den meisten Fällen eine Gewichtsabnahme erreicht. Durchschnittlich liegt sie beim Totalfasten für Frauen bei 380g und für Männer bei 450g pro Tag. Dabei kommt es jedoch schon allein durch den Eiweißabbau zu einem Gewichtsverlust von 80-120g täglich, was einen Muskelabbau bedeutet und daher nachteilig zu beurteilen ist. Erst nach mehrwöchigem totalen Fasten erfolgt eine Umstellung im Stoffwechsel, so dass über 90% des Energiebedarfs aus Fettdepots und unter 10% durch Eiweißabbau gedeckt werden.
Durch die Minderung der schon aufgeführten Risikofaktoren wie erhöhte Bluttfett- oder Blutdruckwerte können zwar bestimmte Erkrankungen kurzfristig gebessert werden, um jedoch einen langfristigen positiven Effekt zu gewährleisten, ist eine Neuorientierung der Lebens- und Ernährungsweise unabdingbar. So sollte sich jeder schon während der Fastenzeit Gedanken über eine Änderung des Lebensstils machen, wobei eine bewusste und langsame Nahrungsaufnahme und die Beachtung der Signale des Körpers, wie z.B. das natürliche Sättigungsgefühl nach dem Essen, im Vordergrund stehen sollte.
Bei rheumatischen Erkrankungen kommt es nach Angaben von Befragten schon zu einer wesentlichen Verbesserung der Leiden allein durch die Umstellung auf eine vorwiegend vegetarische Ernährung.

Gesundheitliche Nachteile

Viele Mediziner und Wissenschaftler betrachten das Fasten auf Grund der möglichen negativen Veränderungen im Körper, angefangen von Kopfschmerzen bis hin zum Tod bei extremem Fasten, eher mit Skepsis. Tatsächlich ist es längst bewiesen, dass das Fasten neben den gewünschten Reaktionen im Stoffwechsel auch zahlreiche unerwünschte hervorruft.
So birgt der schon erwähnte Muskelabbau erhebliche gesundheitliche Risiken in sich. Eine Fastenzeit von über 100 Tagen kann möglicherweise zu Veränderungen am Herzmuskel führen, die als lebensgefährlich betrachtet werden. Weiterhin könnte der Eiweißmangel beim Totalfasten Ursache für beobachtete EKG-Veränderungen (Herz-Rhythmus-Störungen)sein.
Bei längerer fehlender oder geringer Eiweißaufnahme schaltet der Körper auf einen Eiweißsparmechanismus um. Das führt dazu, dass weniger körpereigenes Eiweiß und dagegen mehr Körperfett abgebaut wird, um den Energiebedarf des Körpers zu decken. Durch den Abbau von Fettdepots kann es jedoch zu einem Anstieg von sogenannten Ketonkörpern im Blut kommen. Da die Ausscheidung dieser Ketonkörper vermutlich die Niere in ihrer Fähigkeit zur Harnsäureausscheidung wie unter normalen Bedingungen einschränkt, ist ein erhöhter Wert für Harnsäure im Blut die Folge. Wird die Löslichkeitsgrenze für Harnsäure im Blut überschritten, kommt es zur Auskristallisation von Harnsäure, was letztendlich zur Bildung von sogenannten Harnsäuresteinen führen kann.
Harnsäure stellt ein Stoffwechselendprodukt ("Schlackenstoff") dar und mit einem Anstieg ihrer Konzentration im Blut kann bei schon bestehender Gicht ein Gichtanfall ausgelöst werden. Weitere negative Auswirkung können Harnsäuresteine (durch Auskristallisation von Harnsäure, wenn ihre Löslichkeitsgrenze im Blut überschritten wird) oder sogar Nierenversagen sein. Das würde das Gegenteil der Behauptung, Fasten würde entgiften bzw. entschlacken, bedeuten. Eine Kontrolle der Harnsäurewerte ist daher während der Fastenzeit zu empfehlen.
Bei vielen Fastenkuren wird in der Regel keine optimale Deckung des Tagesbedarfs an essentiellen Nährstoffen erreicht. Essentielle Nährstoffe sind solche Nährstoffe, die lebensnotwendig sind, die der Körper jedoch nicht selbst in ausreichendem Maße herstellen kann. Daher müssen sie dem Körper über die Nahrung zugeführt werden. Wenn dies, wie bei den meisten Fastenkuren, nicht gewährleistet ist, kann es zu unterschiedlichsten Auswirkungen kommen; Kopfschmerzen, Schwächegefühl und Haarausfall sind nur einige davon.
Die durch das Fasten erreichte Gewichtsreduktion ist ein Erfolg, der in den meisten Fällen nur bis kurz nach der Fastenkur anhält. Dies ist auf einen Schutzmechanismus des Körpers aus früheren Zeiten zurückzuführen, der den Menschen in Hungerphasen (und eine solche stellt im Prinzip eine Fastenkur dar) das Überleben sichern sollte. Dabei wird der Grundumsatz, d.h. der Energieverbrauch im Ruhestand, gesenkt. Das hat den bekannten "Jo-Jo-Effekt" zur Folge, der sich einstellt, wenn man nach der "Hungerphase" wieder zur vorherigen Ernährungsweise zurückkehrt.

Begleitende Maßnahmen

Ärztliche Kontrolle

Grundsätzlich sollten Fastenkuren aufgrund der genannten Risiken nur nach ärztlicher Rücksprache und unter ärztlicher Beobachtung durchgeführt werden. Eine Fastendauer von mehr als 100 Tagen ist generell nicht zu empfehlen.

Schulung

Da das Heilfasten und jede Gewichtsreduktion nur sinnvoll sind, wenn eine Neuorientierung der Ernährungs- bzw. Lebensweise erfolgt, sollten schon während der Fastenzeit Impulse für eine Verhaltensänderung gegeben werden. Erforderlich dafür ist eine Unterrichtung bezüglich der Diät mit einer den Bedarf nicht überschreitenden Nährstoffzufuhr. Der Fastende muß lernen, auf die Bedürfnisse seines Körpers zu achten, diese zu erkennen und darauf einzugehen.

Bewegungstherapie

Neben der Ernährungstherapie beim Fasten spielt die Bewegungstherapie eine wichtige Rolle. Zum einen soll durch die Beanspruchung der Muskulatur dem erwähnten Muskelabbau entgegengewirkt werden und zum anderen kann ein Impuls für einen bewussten, aktiveren Lebensstil gesetzt werden.

Ausatmung und Ausschwemmung von "Schlacken"

Frische Luft sowie tiefe Bauchatmung werden von Anhängern des Heilfastens zur Selbstreinigung durch das Ausatmen von Stoffwechselendprodukten, den "Schlacken", als erstrebenswert angesehen.
Aber auch Saunabesuche, Kneipp-Anwendungen und Massagen sollen nach ihrer Meinung die "Entschlackung"; in diesem Fall durch Ausschwemmung der Stoffwechselreste über die Haut, unterstützen.

Ernährungsphysiologische Beurteilung

Auf Grund der beschriebenen Risiken ist das totale Fasten heute als Therapie zur Gewichtsabnahme abzulehnen. Abstand von Fastenkuren ist besonders bei Personen mit Magersucht oder anderen psychischen Erkrankungen zu nehmen.
In einigen Fällen wird jedoch eine schnelle Abnahme des Gewichts durch modifiziertes Fasten aufgrund medizinischer Notwendigkeit akzeptiert. So z.B. vor einer dringend anstehenden Operation.
Die Bezeichnung "Entschlackung" ist wissenschaftlich nicht ausreichend begründbar. In der Regel scheiden wir im Stoffwechsel entstehende giftige Substanzen täglich mit dem Harn, Stuhl und Schweiß aus. Dies wird bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr durch Darm und Niere gewährleistet, so dass es zu keiner nennenswerten Ansammlung von "Schlacken" im Körper kommen kann.

Literaturverzeichnis

Ärzte-Zeitung, 27.02.1998
Birkelbach, D., Vitaminspur 12, Hippokrates Verlag, Stuttgart, 1997, S. 158-162
DGE-info, Nr. 12, 1998, S.179-180
Kasper, H., Ernährungsmedizin und Diätetik, Urban § Schwarzenberg, München, 1996
Kluthe, R., Ernährungsmedizin in der Praxis, Spitta-Verlag, Balingen, 1999
Worm, N., Ratgeber der Ernährung, TR-Verlagsunion, München, 1992