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Mangelernährung Einleitung Ein guter Ernährungsstatus ist eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit und Lebensqualität. Leider gibt es in Deutschland, in einem Land, in dem doch scheinbar ein Überangebot an Lebensmitteln vorherrscht, ganze Bevölkerungsgruppen, die unzureichend ernährt sind. Da ist zum einen, die große Gruppe der Senioren. Man kann immer wieder Schlagzeilen in den Zeitungen ausmachen, aus denen hervorgeht, daß eine große Zahl der Senioren in Seniorenheimen mangelernährt ist. Auch in unseren Kliniken gibt es Patienten, die durch Krankheiten oder nach großen Operationen unter Mangelernährung leiden. Nach jüngsten Untersuchungen sind in den Krankenhäusern bis zu 50 % der Patienten mangelernährt. Begriffsbestimmung Der Begriff "Mangelernährung" ist in medizinischen Standardnachschlagewerken nicht definiert. Nur der Fachbegriff Malnutrition ist hier zu finden. Malnutrition ist jedoch ein Sammelbegriff für Fehlernährung. Hier ist also sowohl die Unter- als auch die Überversorgung des Körpers mit Nahrung, mit den Folgen Unter- und Übergewicht, gemeint. Wissenschaftlich kann die Unterversorgung, also Mangelernährung, in drei verschiedene Formen untergliedert werden:
Wodurch wird Mangelernährung hervorgerufen? Besteht eine Differenz zwischen
Nährstoffaufnahme und Nährstoffbedarf, so spricht man von Mangelernährung.
Die Ursache kann allgemein an einer unzureichenden Nahrungsaufnahme liegen. Bei
gleich bleibender Zufuhr von Nährstoffen entsteht eine Mangelernährung aber
auch dann, wenn erhöhte Verluste hinzukommen und somit die aufgenommenen
Nährstoffe dem Körper wieder verloren gehen. Dies kann z. B. bei folgenden
Krankheiten auftreten: Pankreasinsuffiziernz, Mukoviszidose, Zöliakie und
chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Eine weitere Möglichkeit der
Mangelernährung kann durch eine Störung der Nährstoffverwertung hervorgerufen
werden. Durch Erkrankungen und Traumata können vermehrt Körpersubstanz
abbauende (katabole) Prozesse im Organismus ablaufen, die einen erhöhten
Nährstoffbedarf zu Folge haben. Wird dies nicht berücksichtigt, so gerät der
Patient auch hier in einen Nährstoffmangel. Mangelernährung erkennen Bei Verdacht auf eine Mangelernährung ist eine Ernährungsanamnese unbedingt erforderlich. Erster Schritt ist die Erfassung des Körpergewichts. Die erste Aussage über eine mögliche Mangelernährung kann nach der Ermittlung des BMI (Body Mass Index) erfolgen. Der BMI wird ermittelt, indem man das Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße in Meter dividiert. Mit dem Ergebnis kann anhand folgender Tabelle den Ernährungsstatus ermittelt werden.
Der BMI kann jedoch nur erster Anhaltspunkt sein, als weiterer wichtiger Parameter wird die Körperzusammensetzung aus den Kompartimenten Fett und fettfreie Masse erfasst. Untersuchungen wie die Bioelektrische-Impedanz-Analyse (BIA) oder die Infrarot-Spektometrie (NIRI) sind geeignete Methoden zur Ermittlung des Körperfettstatus. Ein dritter Aussagekräftiger Parameter für Mangelernährung ist der Plasma-Albuminspiegel. Die entsprechenden Werte sind aus der folgenden Tabelle ersichtlich.
Folgende Auflistung zeigt weitere Möglichkeiten zur Erfassung des Ernährungsstatus. Messung des Ernährungsstatus: Primäre Parameter:
Sekundäre Parameter:
Tertiäre Verfahren:
Nur die Kombination geeigneter Methoden gibt eine umfassendes Bild über den Ernährungszustand des Patienten, nicht nur eine einzige Messung. Wem droht Mangelernährung?
Eine immer stärker von Mangelernährung gefährdete Gruppe sind Jugendliche. Durch die Medien wird ein ganz bestimmtes Schönheitsideal verbreitet. Models leben vor, dass nur die Person begehrenswert ist, die extrem schlank und fit ist. Aus diesem Wunsch, dem Schönheitsideal zu entsprechen, werden oftmals ernste Erkrankungen, wie Anorexia nervosa. Waren bisher fast ausschließlich Mädchen von den Folgen betroffen, so nimmt der Anteil an männlichen unterernährten Betroffenen stetig zu. Der Anteil liegt mittlerweile bei 5-10 %. Durch ein krankhaftes Eßverhalten bauen die betroffenen neben Fettgewebe auch Muskelmasse ab. Elektrolytstörungen, besonders Kaliummangel können Reizleitungsstörungen bewirken und lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.
Von Mangelernährung besonders betroffen sind
Senioren. Laut Ernährungsbericht, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft
für Ernährung, wurden ein Viertel von 300 über 75-jährigen Menschen bei der
Aufnahme in ein Krankenhaus anhand des klinischen Eindrucks (beispielsweise
abgemagertes Aussehen, fehlendes Unterhautfettgewebe) als mangelernährt
beurteilt.
Bei HIV-Infektionen zählt der Gewichtsverlust zu den typischen Symptomen. Aids ist eine konsumierende (auszehrende) Krankheit. Durch die Häufigkeit der auftretenden Infekte kommt es zu einem starken Gewichtsverlust, der nach dem Abklingen des jeweiligen Infekts meist nicht vollständig aufgehoben werden kann. In der Regel kommt es bei HIV-Patienten zu einem kontinuierlichen Gewichtsverlust, der auch auf Funktionsstörungen im Magen-Darm-Trakt zurückzuführen ist.
Als weitere Risikogruppe für Mangelernährung sind Krebspatienten zu nennen. Jeder dritte Krebspatient hat bei seiner Aufnahme in die Klinik bereits 10 % seines Körpergewichtes verloren. Tumorpatienten leiden sehr häufig unter Geschmacksveränderungen und Appetitverlust. Diese beiden Risikofaktoren sind nicht so gut zu beobachten, weshalb eine ständige Gewichtskontrolle von Nöten ist. Gerade Tumorpatienten sind auf Grund eventuell auftretender Therapienebenwirkungen Risikopatienten für Mangelernährung. Durch Erbrechen, Durchfall oder Schmerzen nach dem Essen ist es oftmals gar nicht möglich sie mit "normaler Kost" zu ernähren. Auch machen Störungen im Magen-Darm-Trakt wie Verengungen oder Schleimhautentzündungen die normale Nahrungsaufnahme in vielen Fällen unmöglich. Bei Operationen in diesen Körperbereichen müssen die Patienten meist künstlich ernährt werden. Die bei Tumorerkrankungen auftretende Kachexie (Gewebeabbau des Organismus infolge tief greifender Störungen aller Organfunktionen) ist bei 20 % der Krebspatienten alleinige Todesursache. Auf Grund dieser Zahl bedarf die Ernährungstherapie tumorkranker Patienten einer stärkeren Gewichtung in der Gesamttherapie.
Aus Biesalski: Ernährungsmedizin
sind Patienten mit Lungen- und Lebererkrankungen, Personen mit chronischen Krankheiten wie Morbus Crohn und Patienten, bei denen operative Eingriffe wie beispielsweise eine Magenresektion vorgenommen wurde. Risiken der Mangelernährung Die Folgen von Mangelernährung gleichen einem Kreislauf, aus dem schwer auszubrechen scheint. Als erste Folge kommt es zu einem Gewichtsverlust. Allgemeine Schwäche tritt ein, wodurch ein erhöhtes Risiko für Stürze und Frakturen insbesondere bei älteren Personen besteht. Bei fortwährender Unterernährung kommt es zum Abbau von Muskelmasse, Schwächung des Immunsystems und zunehmender Immobilität. Ist der Patient in Behandlung und muss Medikamente einnehmen kann es zu einer schlechteren Verträglichkeit kommen. Bei Personen, die sich in stationärer Behandlung befinden, besteht eine erhöhte Dekubitusgefahr sowie eine verzögerte Wundheilung. Hieraus resultiert eine verzögerte Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit und eine erhöhte Pflegebedürftigkeit, was den Patienten dazu zwingt länger im Krankenhaus zu bleiben. Durch die allgemeine Schwächung des Körpers ist der Patient anfälliger für Komplikationen. Auffallend bei mangelernährten Patienten ist, dass die Todesraten deutlich über denen von Patienten mit einem zufrieden stellenden Ernährungsstatus liegen. Mögliche Abhilfen Einer Mangelernährung kann mit einer
rechtzeitigen und angepaßten Ernährungstherapie begegnet werden. Es gibt
jedoch eine Ausnahme, bei der die Ernährungstherapie eher zweitrangig ist. Bei
durch Eßstörungen bedingter Mangelernährung ist die psychotherapeutische
Behandlung, in die nicht nur die betroffene Person, sondern auch das nahe Umfeld
einbezogen wird, wichtiger.
Kann die Nahrungsaufnahme oral nicht mehr
gesteigert werden oder ist es dem Patienten nicht möglich die Nahrung auf Grund
einer Operation, Bewusstlosigkeit, Schlaganfall oder sonstiger Krankheiten, oral
aufzunehmen, so besteht die Möglichkeit, den Patienten über eine Sonde zu
ernähren. Ein tägliches Energiedefizit von mindestens 500 kcal (Differenz
zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch), das nicht dauerhaft behoben
werden kann, ist eine Indikation zur künstlichen Ernährung. Eine extreme
Kachexie (z. B. Body-Mass-Index von unter 16) kann trotz grundsätzlicher
Möglichkeit zur oralen Ernährung eine Indikation zur enteralen Ernährung
darstellen. Für die Kurzzeiternährung (weniger als 4 Wochen) stehen
Nasensonden (Austritt der Sonde durch die Nase) zur Verfügung. Bei einer
langfristig angelegten Ernährung per Sonde sollte eine transkutane (Austritt
durch die bauchdecke) Sonde (PEG = Perkutane endoskopisch kontrollierte
Gastrostomie) gewählt werden. Die Vorteile der enteralen Ernährung sind die
"physiologische Nahrungsaufnahme", weniger invasive Maßnahmen,
geringer Komplikationsrate, kosterngünstiger Ernährungsform und der Erhalt der
Darmflora.
Literatur
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