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Ernährung im Alter
Einleitung
Gesund alt werden möchte jeder. Doch nur wenige wissen wie.
Deshalb sollen im Folgenden Wege zu einer gesunden Ernährungsweise
aufgezeigt werden, die eine Voraussetzung für das allgemeine
Wohlbefinden im Alter darstellt. Aber wie wird das "Alter"
überhaupt definiert?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet die Menschen
verschiedener Altersabschnitte folgendermaßen:
 | mit 51-60 Jahren als alternde Menschen
 | mit 61-75 Jahren als ältere Menschen
 | mit 76-90 Jahren als alte Menschen
 | ab 90 Jahren als sehr alte Menschen. |
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An dieser Stelle soll vorwiegend auf die Gruppe der älteren und
alten Menschen eingegangen werden. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung
ist in den letzten Jahren gestiegen und wird erwartungsgemäß auch
weiterhin zunehmen. Wenn auch ältere Menschen heute insgesamt aktiver
und selbstständiger sind als früher, so sind doch viele nicht mehr
bei bester Gesundheit und bezüglich des Ernährungszustandes häufig
nicht gut versorgt.
Das Altern, das schon vom 30. Lebensjahr ab beginnt, ist mit
einigen anatomischen und physiologischen Veränderungen verbunden.
Dazu gehören:
 | Eine Veränderung der Körperzusammensetzung, d.h. der
Fettanteil nimmt zu, die fettfreie Körpermasse (v.a. Muskeln und
Knochen) nimmt dagegen ab.
 | Eine Abnahme des Wassergehaltes des Körpers (von 70% beim Säugling
auf bis zu 45% im Alter).
 | Ein Nachlassen der Abwehrkräfte sowie der Anpassungsfähigkeit
des Körpers.
 | Eine Abnahme des Geruchs- und Geschmacksempfindens.
 | Eine Verminderung der Kaufähigkeit und zusätzlich eventuelle
Schluckstörungen.
 | Eine Verlängerung der Reaktionszeiten. |
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Neben diesen grundsätzlichen und natürlichen Veränderungen sind
ältere Menschen oft gleichzeitig von mehreren akuten und chronischen
Krankheiten betroffen. Durchblutungsstörungen, Diabetes oder
Osteoporose sind häufige Diagnosen, die ihre Ursachen unter anderem
in der Ernährungsweise der vorangegangenen Lebensjahrzehnte haben.
Vor allem eine jahrelange Überernährung und eine generell einseitige
Ernährung haben im Alter vermehrt die oben genannten Erkrankungen zur
Folge.
Ernährungssituation
Gesund oder krank - eine falsche oder unzureichende Ernährung im
Alter kann Folgen haben, die oftmals vermeidbar sind.
Im Gegensatz zu den jüngeren Menschen stellt bei den älteren
Personen häufig ein Flüssigkeitsmangel sowie eine Mangel- bzw.
Unterernährung ein nicht zu unterschätzendes Problem dar.
Eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme kann eine Austrocknung des Körpers
und damit verbundene weitreichendere gesundheitliche Probleme zur
Folge haben.
Zu den Begleiterscheinungen einer Mangelernährung gehören im
Allgemeinen eine Einschränkung der körperlichen, geistigen und
psychischen Leistungsfähigkeit, wie z.B. Schwäche und ein beeinträchtigtes
Allgemeinbefinden. Zusätzlich ist das Infektrisiko erhöht und sowohl
die Genesung von Krankheiten als auch die Wundheilung dauern länger.
Außerdem wurde beobachtet, dass die Sterblichkeitsrate bei
unterversorgten Senioren höher als bei ausreichend versorgten
Personen liegt.
Eine unzureichende Zufuhr der notwendigen Nährstoffe kann neben
der Mangel- oder Fehlernährung aber auch die Folge einer schlechteren
Verwertung der aufgenommenen Lebensmittel durch den menschlichen Körper
sein. Es lässt sich zwar feststellen, dass die Stoffwechselvorgänge
im Körper bei älteren Menschen langsamer ablaufen, die Organe
besitzen jedoch Reservekapazitäten, die das in einem gewissen Rahmen
kompensieren können. Eine schlechtere Verwertung der Nahrung ist
daher eher auf chronische Krankheiten und Medikamenteneinnahme zurückzuführen.
Bezüglich der Vitaminaufnahme konnte bei älteren Menschen häufig
eine Unterversorgung festgestellt werden. Der Mangel betrifft vor
allem Vitamin A und C, aber auch Vitamin B1, B2, B6 und Folsäure
werden dem Körper nicht in ausreichendem Maße zugeführt. Im Bereich
der Mineralstoffe ist häufig eine Unterversorgung mit Calcium, Jod
und Zink festzustellen.
In den folgenden Abschnitten wird auf die einzelnen Punkte noch ausführlicher
eingegangen.
Einflussfaktoren auf die Ernährung im Alter
Die individuelle Lebenssituation hat einen großen Einfluss auf die
Ernährung. Zu unterscheiden ist sicherlich die Situation eines 60-jährigen,
der geistig und körperlich fit ist, von einem 85-jährigen, dessen körperlicher
und geistiger Bewegungsspielraum eingeschränkt ist. Während sich der
eine noch selbst versorgen kann und somit einen entscheidenden
Einfluss auf die eigene Ernährung hat, muß das bei dem anderen schon
nicht mehr gewährleistet sein. Diese Voraussetzungen sollten natürlich
berücksichtigt werden.
Grundsätzlich können die Ursachen für eine unzureichende bzw. nicht
ausgewogene Ernährung im Alter ganz unterschiedlich sein:
 | Ein Großteil älterer Menschen klagt über wenig Appetit und
ein verringertes Durstgefühl und isst und trinkt daher wenig.
Dazu kommt, dass die Ernährung auf Grund eines Nachlassens von
Geruchs- und Geschmackssinn oft monoton und einseitig ist. Das
Verlangen nach Abwechslung, das die Voraussetzung einer
ausgewogenen Kost ist, ist verringert.
 | Probleme mit der Zahnprothese sowie weitere Kau- und
Schluckbeschwerden können dazu führen, dass die Lebensmittel
lange gekocht werden, anstatt sie schonend zuzubereiten (wodurch
sich der Nährstoffgehalt verringert) oder dass einfach weniger
gegessen wird.
 | Auch das häufige Wiederaufwärmen von Speisen ist sehr beliebt,
wirkt sich jedoch sehr ungünstig auf den Nährstoffgehalt der
Lebensmittel aus.
 | Körperliche Behinderungen können den Einkauf und die
Zubereitung der Lebensmittel erschweren, so dass nicht immer alle
Nahrungsmittel verfügbar sind.
 | Beeinträchtigt wird das Essen außerdem von psychischen und
sozialen Faktoren, wie Depressionen, Vereinsamung oder von
einschneidenden Lebensereignissen (z.B. Umzug in ein Heim).
Manchmal wird das Essen gar schlichtweg vergessen.
 | Die Ausnutzung der aufgenommenen Nahrung im Verdauungstrakt ist
ein weiterer Einflussfaktor auf die Nährstoffversorgung. Wie
schon erwähnt, ist die Verdauungsleistung meist nicht durch das
Alter an sich eingeschränkt, sondern durch chronische Krankheiten
und die Einnahme von Medikamenten. Viele ältere Menschen leiden
oft an mehreren Erkrankungen gleichzeitig und nehmen
dementsprechend täglich eine Vielzahl verschiedener Medikamente
ein. Neben dem oft negativen Einfluss auf den Appetit können sich
diese ungünstig auf die Aufnahme von Nährstoffen aus dem
Verdauungstrakt auswirken. |
| | | | |
Zu diesen Faktoren kommt die ohnehin bestehende Schwierigkeit, ältere
Menschen ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen, da der
Energiebedarf verringert ist, der Bedarf an Eiweiß, Vitaminen und
Mineralstoffen dagegen unverändert bleibt bzw. sogar erhöht ist.
Worauf ist bei der Ernährung zu achten?
Die Ernährung gesunder Senioren unterscheidet sich nicht
wesentlich von einer vollwertigen und ausgewogenen Ernährungsweise im
mittleren Alter. Es sind lediglich einige Veränderungen zu beachten,
die sich aus Stoffwechseländerungen, speziellen Lebensumständen oder
bestehenden Krankheiten ergeben.
Energiebedarf
Der Bedarf an Energie ist im Alter in der Regel vermindert.
Während der Energiebedarf eines jungen Menschen bis zu einem Alter
von etwa 20 Jahren stetig zunimmt, sinkt er danach wieder ab. So benötigt
ein 19-Jähriger etwa 3000 Kalorien, ein 70-Jähriger nur noch etwa
1900 Kalorien täglich. Bei Frauen liegen die Werte noch etwas
niedriger: 2400 Kalorien bei einer 19-Jährigen, 1700 Kalorien bei
einer 70-Jährigen (die Werte gelten bei einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit).
Dieser geringere Energiebedarf des älteren Menschen hat zwei
Ursachen. Zum einen sinkt der Grundumsatz (Energiebedarf im
Ruhezustand) und zum anderen nimmt die körperliche Aktivität ab.
Eine genauere Betrachtung der Änderung des Energiebedarfs zeigt, dass
die Abnahme der körperlicher Aktivität den Energiebedarf stärker
vermindert, als das Absinken des Grundumsatzes. Das bedeutet, dass der
Energiebedarf von körperlich sehr aktiven älteren Menschen sogar höher
sein kann, als der von inaktiven jungen Menschen.
Bei deutlichem Übergewicht, d.h. einem
(BMI) größer als 30 und vor allem, wenn mit dem Übergewicht
gesundheitliche Risiken verbunden sind, d.h. bei einem BMI über 25
und zusätzlichen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhten
Fettwerten oder Diabetes mellitus, ist eine Gewichtsreduktion ratsam.
Die notwendige Verringerung der Energiezufuhr kann am besten durch
eine Einschränkung des Fettverzehrs erreicht werden.
Gefährlicher als mäßiges Übergewicht ist jedoch ein zu niedriges Körpergewicht,
was bei einem BMI kleiner als 20 der Fall ist. Liegt die aufgenommene
Energie unter den oben angeführten Werten, ist es schwer, durch die
Ernährung noch eine ausreichende Zufuhr aller lebenswichtigen Nährstoffe
zu erreichen.
Nährstoffbedarf
Während der Energiebedarf vermindert ist, bleibt der Bedarf an Nährstoffen
dagegen gleich. Eine ausreichende Nährstoffversorgung wird deshalb
nur erreicht, wenn Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte ausgewählt
werden. Das bedeutet, dass auf eine genügende Aufnahme eiweiß-,
vitamin- und mineralstoffreicher Lebensmittel (Obst, Gemüse, Milch-
und Vollkornprodukte) geachtet werden sollte. Lebensmittel, die hauptsächlich
Fett und Zucker liefern (Schokolade, Kuchen, fettreiche Wurst- und
Fleischsorten) sollten nur sehr eingeschränkt verzehrt werden.
Eine Verminderung der Fettaufnahme ist in den meisten Fällen
angebracht.
Viele ältere Menschen bevorzugen eine fettreiche Ernährung und
nehmen eine zu große Menge sogenannter versteckter Fette zu sich.
Diese sind vor allem in Eiern, Wurst, Käse, Gebäck, Soßen und
Fertigsalaten zu finden. Nach fettreichen Mahlzeiten bleibt der
Fettgehalt im Blut bei Älteren längere Zeit erhöht als bei Jüngeren.
Zudem wird eine fetthaltige Ernährung von älteren Menschen oft nicht
mehr gut vertragen. Fettarme Produkte sollten dementsprechend
bevorzugt werden. Um jedoch bei eingeschränkter Gesamtfettzufuhr noch
die Versorgung mit den lebenswichtigen ungesättigten Fettsäuren zu
gewährleisten, sollten in erster Linie pflanzliche Fette und Öle wie
z.B. Pflanzenmargarine, Sonnenblumen-, Distel-oder Olivenöl verwendet
werden.
Die körpereigene Verwertung von Eiweiß ist im Alter
verlangsamt.
Trotzdem ist durch die aufgenommene Menge an Eiweiß durch die Ernährung
in der Regel gewährleistet, dass der tägliche Bedarf des Körpers an
Eiweiß gedeckt wird. Zu hohe Mengen belasten den Körper durch eine
im Alter häufig eingeschränkte Nierenfunktion. Die Menge von 0,8 g
Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht sollte jedoch auch nicht
unterschritten werden, damit der Erhalt von körpereigenem Eiweiß
gesichert ist.
Bei dem Ersatz von tierischem Eiweiß aus Eiern, Fleisch und
Fleischwaren durch pflanzliches Eiweiß aus Getreideprodukten und Hülsenfrüchten
kann gleichzeitig eine übermäßig hohe Cholesterin-, Fett- und
Purinzufuhr vermieden werden. (Achtung!: Purine in Hülsenfrüchten müssen
besonders bei einer Gichterkrankung beachtet werden.)
Keine "leeren Kohlenhydrate" aufnehmen.
Neben weniger Fett sollten auch weniger Kohlenhydrate in Form von
Zucker, gesüßten und alkoholischen Getränken, Süßigkeiten, Kuchen
und Weißmehlprodukten verzehrt werden. Sie sind eher als ungünstig
einzustufen, da sie aus "leeren", d.h. einfachen
Kohlenhydraten bestehen, die zwar Kalorien, jedoch keine Nährstoffe
enthalten und außerdem in Form des Zuckerbausteins Glukose schnell
ins Blut übergehen.
Günstiger dadegen ist der Zuckerbaustein Fruktose, der von älteren
Menschen oft besser vertragen wird. Dieser ist vor allem in Obst
enthalten, weshalb dieses als "süße Zwischenmahlzeit"
empfohlen werden kann.
Komplexe Kohlenhydrate (wie Ballaststoffe) gelangen im Gegensatz zu
den einfachen Kohlenhydraten nur langsam ins Blut und belasten den
Blutzuckerspiegel somit nicht so stark. Das wirkt sich besonders bei
Personen mit Diabetes mellitus förderlich aus. Zu den
ballaststoffreichen Lebensmitteln zählen Vollkornprodukte
(Vollkornbrot, -nudeln, -reis), Obst und Gemüse. Mit ihrer Aufnahme
kann gleichzeitig die Einnahme von Abführmitteln bei
Verdauungsproblemen überflüssig bzw. vermindert werden,
vorausgesetzt die Trinkmenge von mindestens 1,5 Litern wird nicht
unterschritten. Auf Grund der bereits erwähnten Kau- und
Schluckbeschwerden kann es dazu kommen, dass Vollkornprodukte gemieden
werden. Doch heutzutage bedeutet ‘Vollkornbrot’ nicht zwangsläufig,
dass es sich um ein grobes, schwer kaubares Brot handeln muss. Bei der
großen Vielzahl an Broten werden auch solche aus feingemahlenen
Vollkornmehlen angeboten, die sich kaum von Graubroten unterscheiden,
aber dennoch Vollkornmehl enthalten.
Eine ausreichende Zufuhr von Mineralstoffen, besonders von
Calcium, Kalium und Magnesium ( neben Natrium, Zink, Selen und Jod),
ist eine wichtige Voraussetzung für die körperlichen Funktionen.
Grundsätzlich sorgen zum Beispiel täglich ein Glas fettarme Milch
und zwei Scheiben magerer Käse für eine ausreichende Calciumzufuhr.
Ein Calciummangel ist jedoch nach längerer Medikation mit bestimmten
Wirkstoffen (Antiazida auf der Basis von Magnesium- oder
Aluminiumhydroxid) leicht möglich. Auch Tetracycline, Abführmittel,
Diuretika und Heparin können die Aufnahmefähigkeit des
Verdauungstraktes für Calcium herabsetzen.
Die Versorgung mit Eisen kann durch Störungen in der Verwertung oder
Veränderungen des Stoffwechsels unzureichend sein und sollte deshalb
regelmäßig kontrolliert werden.
Abführmittel erhöhen sowohl den Bedarf an Kalium als auch an fettlöslichen
Vitaminen (Vitamine A, D, E und K). Durch den vermehrten Verzehr von
Ballaststoffen kann oftmals die Aufnahme von Abführmittel vermindert
oder vollständig vermieden werden.
Auch Engpässe in der Vitaminversorgung können auftreten.
Dies ist oft bei einer Unterversorgung mit Nahrung oder einseitiger
Lebensmittelauswahl der Fall. Besonders häufig tritt eine Vitamin
A-Unterversorgung auf. Reich an Vitamin A bzw. dessen Vorstufe
Beta-Karotin sowie an Vitamin C sind gelbrote und grüne Gemüsesorten
wie Möhren, Paprika, Tomaten, Spinat, Brokkoli und Grünkohl. Vitamin
A ist außerdem in Milch, Butter, Eigelb und Leber enthalten.
Vitamin E, das neben Vitamin C zu den Antioxidantien
("Schutzvitaminen") zählt, ist vor allem in schonend
gewonnenen Keimölen zu finden.
Ein Vitamin D-Mangel kann auftreten, wenn sich ältere Menschen nicht
ausreichend dem Sonnenlicht aussetzen (z. B. bei längeren
Krankenhausaufenthalten), mit dessen Hilfe der Körper dieses Vitamin
selbst herstellen kann. Nahrungsquellen für Vitamin D stellen
Meeresfische, Lebertran, Innereien, Eigelb, Milch und Käse dar.
Auch bei den Vitaminen B1 und B6 ist der Bedarf bei älteren Menschen
nicht immer ausreichend gedeckt.
Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr (Deutsche Gesellschaft für
Ernährung, 1995) für Menschen über 65 Jahren
| |
Empfohlene Zufuhr pro Tag
für Männer
|
Empfohlene Zufuhr pro Tag
für Frauen
|
|
Energie
|
1900 Kalorien
|
1700 Kalorien
|
|
Eiweiß
|
0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht
oder
12 - 15 % der Gesamtenergie
|
0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht
oder
12 - 15 % der Gesamtenergie
|
|
Fett
|
25 - 30 Prozent der Gesamtenergie
|
25 - 30 Prozent der Gesamtenergie
|
|
Kohlenhydrate
|
mehr als 55 % der Gesamtenergie
|
mehr als 55 Prozent der Gesamtenergie
|
|
Gesamtwasseraufnahme
|
1,8 Liter
|
1,8 Liter
|
|
Vitamin A
|
1,0 Milligramm
|
0,8 Milligramm
|
|
Vitamin D
|
5 Mikrogramm
|
5 Mikrogramm
|
|
Vitamin E
|
12 Milligramm
|
12 Milligramm
|
|
Vitamin K
|
80 Mikrogramm
|
65 Mikrogramm
|
|
Vitamin B 1
|
1,3 Milligramm
|
1,1 Milligramm
|
|
Vitamin B 2
|
1,7 Milligramm
|
1,5 Milligramm
|
|
Niacin
|
18 Milligramm
|
15 Milligramm
|
|
Vitamin B 6
|
1,8 Milligramm
|
1,6 Milligramm
|
|
freie Folsäure
|
150 Mikrogramm
|
150 Mikrogramm
|
|
Vitamin B 12
|
3,0 Mikrogramm
|
3,0 Mikrogramm
|
|
Vitamin C
|
75 Milligramm
|
75 Milligramm
|
|
Pantothensäure
|
6 Milligramm
|
6 Milligramm
|
|
Calcium
|
800 Milligramm
|
800 Milligramm
|
|
Phosphor
|
1200 Milligramm
|
1200 Milligramm
|
|
Magnesium
|
350 Milligramm
|
300 Milligramm
|
|
Eisen
|
10 Milligramm
|
10 Milligramm
|
|
Jod
|
180 Mikrogramm
|
180 Mikrogramm
|
|
Ballaststoffe
|
etwa 30 g
|
etwa 30 g
|
Einen günstigen Einfluss auf den Erhalt der Nährstoffe hat eine
schonende Zubereitung der Lebensmittel. Dazu zählen das Dämpfen und
Dünsten von Gemüse in wenig Wasser, welche die Vitamine und
Mineralstoffe weitgehend erhalten. Durch starkes Zerkleinern und
langes Kochen in viel Wasser, also durch ein "Weichkochen",
werden die Vitamine dagegen zerstört und die Mineralstoffe ins
Kochwasser ausgeschwemmt.
Insgesamt ist es ratsam die Ernährung so vielseitig und
abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Konserven als
Lebensmittelquelle stellen dabei keine Alternative zu Frischprodukten
dar. Neben einer geringeren Nährstoffdichte haben Konserven ebenfalls
einen höheren Salzgehalt. Auch von der küchentechnischen Seite her
haben tiefgekühlte Produkte einige Vorteile zu bieten. So entfällt
das Waschen und Zerkleinern von Obst und Gemüse und auf Grund der in
Portionsgrößen abgepackt Ware kann leichter ein abwechslungsreicher
Speiseplan eingehalten werden. Zweimal wöchentlich sollte Seefisch
auf dem Speiseplan stehen. Er enthält u.a. Jod, leichtverdauliches
Eiweiß und hochwertige Fette. Dagegen sollte Fleisch nicht öfter als
dreimal pro Woche verzehrt werden.
Flüssigkeitsbedarf
Durch ein reduziertes Durstempfinden ist das Verlangen nach Getränken
im Alter sehr vermindert. Wird jedoch nicht auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr
geachtet, kann es zu Austrocknungserscheinungen kommen, die
weitreichende gesundheitliche Probleme zur Folge haben. Dazu zählen
Durchblutungsstörungen, Verstopfung (Obstipation), Herz-Kreislauf-
und Nierenfunktionsstörungen sowie Verwirrtheit. Wenn zu einer
schlechten Versorgung mit Flüssigkeit zusätzlich auch Durchfälle
oder Erbrechen auftreten, können sich eine Unterversorgung mit
Natrium und Symptome wie Nervosität, Reizbarkeit, Lethargie und
Apathie einstellen, deren Ursache oft nicht erkannt und als
altersbedingte Anzeichen gewertet werden.
Im Gegensatz dazu zwingen unter Umständen bestehende
Begleiterkrankungen (wie Herzinsuffizienz, Ödembildung) zu einer
Einschränkung der Flüssigkeitsaufnahme. In diesen Fällen ist es natürlich
erforderlich, die Flüssigkeitsmenge den individuellen Bedürfnissen
anzupassen.
Als Anhaltspunkt für die Gesamtwasseraufnahme nennt die Deutsche
Gesellschaft für Ernährung (DGE) etwa 1 ml/ kcal pro Tag, das
umfasst eine Flüssigkeitsmenge zwischen 1,5 und 2 l täglich.
Geeignete Getränke sind Mineralwasser, Früchte- und Kräutertee und
mit Wasser verdünnte Säfte. Kaffee, schwarzer Tee und geringe Mengen
alkoholischer Getränke sind nicht grundsätzlich verboten, solange
sie vertragen werden und nicht andere Gründe dagegen sprechen. Milch
und unverdünnte Säfte sind zwar gesund und liefern wichtige Nährstoffe,
haben jedoch einen Energiegehalt, der berücksichtigt werden muss.
Individuelle Lebensverhältnisse
Der Einfluss der persönlichen Lebenssituation des Menschen auf
dessen Ernährung darf nicht unterschätzt werden. Um eine ausgewogene
Ernährung auch im Alter gewährleisten zu können, sollte das gesamte
Lebensumfeld und der Lebensstil des älteren Menschen berücksichtigt
werden. Eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten ist im höherem
Alter grundsätzlich schwieriger, da Angst, Gleichgültigkeit und
verminderte Anpassungsfähigkeit an veränderte Situationen im Alter
stärker in Erscheinung treten. Deshalb sollte eine Umstellung nicht
plötzlich und restriktiv erfolgen, sondern den individuellen
Problemen des Einzelnen angepasst werden.
Es ist ratsam, Speisen, die zu Unwohlsein, Übelkeit oder anderen
Verdauungsbeschwerden führen, völlig zu vermeiden. Die Konsistenz
der Nahrung sollte vor allem dann angepasst werden, wenn Kau- oder
Schluckbeschwerden vorliegen. Es ist jedoch nicht unbedingt
erforderlich, Gemüse lange weichzukochen, um es "gefügig"
zu machen. Mit den entsprechenden Hilfsmitteln (Mixer, Pürierstab)
lassen sich auch bissfest gedünstete Speisen pürieren.
Besonderer Wert sollte bei der Zubereitung der Lebensmittel auf die
Hygiene gelegt werden. Zitternde Hände können schnell etwas verschütten,
ein Nachlassen der Sehkraft lässt Verschmutzungen nicht erkennen, so
dass eine Schimmelpilzbildung oftmals nicht bemerkt wird. Die
Auswirkungen einer mangelhaften Hygiene sind bei Senioren oft
drastischer, da der Organismus nicht immer ausreichend Abwehrkräfte
besitzt. Eine Haushaltshilfe würde somit eine große Hilfe und
Entlastung darstellen, die leider aufgrund finanzieller Probleme meist
nicht zu realisieren ist.
Psychische Probleme und soziale Veränderungen, wie der Tod des
Partners oder der Umzug in ein Heim können zu Einsamkeit und
Depressionen führen, die dem Menschen nicht selten "auf den
Magen schlagen". Gesellschaft beim Essen kann in einem solchen
Fall schon zu einer erheblichen Besserung führen.
Bewegung
Körperliche Bewegung, soweit sie dem älteren Menschen möglich
ist, ist sehr zu empfehlen. Eine maßvolle körperliche Aktivität
wirkt sich positiv auf die Stoffwechselprozesse aus, erhöht den
Grundumsatz, trainiert Muskeln, Gelenke und Herz-Kreislauf-System und
sorgt für einen gesunden Appetit. Spaziergänge an der frischen Luft
(Sonnenlicht) tragen zudem auch zur Bildung von Vitamin-D bei.
Krankheiten
Häufige Erkrankungen sind Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen,
Gicht, hoher Blutdruck, Gallensteine und Osteoporose. Diese
Erkrankungen sind meist auf Grund jahrzehntelanger
"falscher" Ernährungsgewohnheiten entstanden und erfordern
nur zum Teil spezielle Ernährungsweisen, die zu berücksichtigen
sind. Im Allgemeinen sind die hier beschriebenen Ernährungsempfehlungen
sowohl für gesunde Ältere, als auch für Ältere mit den angeführten
Krankheiten geeignet und zu empfehlen.
Neben allen genannten Punkten können gerade für den Senioren
gewisse Rahmenbedingungen einen großen Beitrag zu einer ausgewogenen
und vollwertigen Ernährung leisten. Dazu kann gehört, dass der
Besuch beim Zahnarzt die Kaufähigkeit verbessert, so dass andere
Lebensmittel verzehrt werden können. Das Engagieren eines Dienstes
wie "Essen auf Rädern" sichert eine ausreichende
Versorgung, wenn die Beweglichkeit des älteren Menschen eingeschränkt
ist.
Wenn sich ein schlechter Ernährungszustand eines älteren Menschen
jedoch aus verschiedenen Gründen nicht verbessern lässt, sollte (möglichst
in Absprache mit einem Arzt oder dem Apotheker) über eine ergänzende
Zufuhr von Nährstoffen mit Hilfe von Spezialnahrungen nachgedacht
werden. Das sind meist flüssige Mischungen oder Pulver zum Anrühren,
die in konzentrierter Form alle lebenswichtigen Nährstoffe in
ausreichender Menge enthalten.
Praktische Tipps für den Alltag
 | Es sollte ein Kompromiss zwischen ernährungsphysiologischer
bzw. medizinischer Notwendigkeit und der Freude am Essen sowie den
Lebensumständen geschlossen werden. |
 | Die Nahrungsmenge auf 5-6 kleinere Mahlzeiten pro Tag verteilen. |
 | Mit Butter und Öl geizen, d.h. täglich nicht mehr als 30g (3
Esslöffel) Streich- oder Kochfett benutzen. |
 | Den Genuß von "leeren Kalorien", d.h. von Alkohol, Süßigkeiten
und fettreichen Lebensmitteln einschränken. |
 | 2mal wöchentlich sollte Seefisch auf dem Speiseplan stehen,der
Jod, leichtverdauliches Eiweiß und hochwertige Fette enthält
3mal Fleisch pro Woche reicht. |
 | Besonders wichtig für die Vitamin-, Mineral- und
Ballaststoffversorgung ist ein reichlicher Verzehr von Obst, Gemüse
und Vollkornprodukten (feinkrumige Vollkornbrotsorten und
Vollkorngetreideflocken). |
 | Speisen nicht zu weich kochen, da dabei Vitamine zerstört
werden. Besser in wenig Wasser kurz garen und anschließend fein
zerkleinern oder pürieren. |
 | Täglich ein Glas fettarme Milch und zwei Scheiben magerer Käse
sorgen für eine ausreichende Calciumzufuhr. |
 | Mindestens 1,5 l, besser sogar 2 l Flüssigkeit täglich
trinken. Geeignet sind Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetee
sowie verdünnte Säfte. |
 | Mit Salz (möglichst Jodsalz benutzen) sparsam umgehen. Lieber
mit Kräutern und Gewürzen kräftig abschmecken. |
 | Gegebenfalls Vitamin- und Mineralstoffpräparate einsetzen. |
 | Auf eine hygienische Zubereitung achten. |
 | Aufgrund der Infektionsgefahr beim Verzehr von Rohmilch,
Desserts und Saucen mit rohen Eiern und rohem Fleisch, diese
Lebensmittel meiden. |
 | Regelmäßige körperliche Betätigung, möglichst an frischer
Luft. |
 | Nicht rauchen. |
Literaturverzeichnis
 | AgV Verbraucher Rundschau 5/90 : Richtige Ernährung im Alter
 | AID-Verbraucherdienst, "Gesund essen - gesund leben"
Informationen für ältere Menschen, 1995
 | Biesalski, H.-K. [Hrsg.], et al.: Ernährungsmedizin, 2., überarb.
und erw. Aufl. Stuttgart; New York, Thieme, 1999
 | Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung/Deutsche
Gesellschaft für Ernährung (DGE): Die Ernährung älterer
Menschen.
 | Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Empfehlungen für
die Nährstoffzufuhr. 2. korrigierter Nachdruck 1995, Umschau
Verlag
 | Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Ernährungsbericht 1996.
Druckerei Henrich, Frankfurt/Main, 1996
 | Ernährungs Umschau: Schriftenreihe Nr. 9: Die Bedeutung der Ernährung
in der Geriatrie. Staatl. Mineralbrunnen Siemens Erben
 | Kasper, H.: Ernährungsmedizin und Diätetik , Urban
&Schwarzenberg, 8. Auflage, 1996
 | Kluthe, R.: Ernährungsmedizin in der Praxis. Spitta Verlag,
Balingen 1999 |
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