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Probiotika
und Prebiotika
Allgemeines
Einführung
Mittlerweile kennt sie fast jeder - die immer zahlreicher werdenden
probiotischen Lebensmittel, die seit einigen Jahren in den verschiedensten
Variationen auf dem Markt sind. Nicht nur sättigen und natürlich schmecken
sollen sie, auch der Gesundheit soll man damit etwas Gutes tun!
Im Folgenden wird nun näher beschrieben, welche positiven Wirkungen diesen
Produkten überhaupt zugesprochen werden und worauf die positiven Wirkungen
zurückzuführen sind.
Was sind Probiotika?
Als Probiotika (pro bios = für das Leben) werden ganz bestimmte lebende
Bakterien bezeich-net, die die Gesundheit des Menschen positiv beeinflussen
können. Im weiteren Sinne werden auch die Lebensmittel als Probiotika
bezeichnet, die eben solche Keime enthalten wie z. B. probiotische Joghurts. Das
Besondere an diesen probiotischen Bakterien ist, dass sie nicht von der
Magensäure oder Verdauungsenzymen angegriffen werden, sondern den Magen und den
Dünndarm passieren können und daher lebend in den Dickdarm gelangen. Dort
können sie die Zusammensetzung der Darmflora des Menschen verändern, was
positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Die bekanntesten Probiotika kommen
aus der Gruppe der Milchprodukte. Hierbei findet man häufig Lactobazillen und
Bifidobakterien.
Um als "probiotisch" zu gelten, müssen Bakterien aber ganz bestimmte
Kriterien erfüllen:
 | Sie müssen gesundheitlich unbedenklich sein, d.h. sie dürfen keine
krankmachenden Eigenschaften besitzen
 | Sie müssen lebend im Darm ankommen, um ihre positiven Wirkungen entfalten
zu können und dürfen nicht z.B. durch die Magensäure zerstört werden
 | Sie müssen einen gesundheitlichen Nutzen für den Menschen haben
 | Sie müssen für die Herstellung der jeweiligen Produkte geeignet sein |
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Was versteht man unter Pre- oder Präbiotika?
Prebiotika oder Präbiotika - beide Schreibweisen werden in der Literatur
für dieselben Substanzen benutzt.
Es handelt sich hierbei um bestimmte Ballaststoffe und Stärkesorten. Diese sind
in der Lage, das Wachstum ganz bestimmter Bakterien des menschlichen Dickdarms
zu fördern. Verein-facht kann man auch sagen, dass die Prebiotika die Nahrung
der probiotischen Bakterien im Darm sind. Damit die Prebiotika im Dickdarm auch
wirken können, müssen sie allerdings unverdaut den Magen und den Dünndarm
passieren. Diese Voraussetzungen werden nur von bestimmten Ballaststoffen und
Stärkesorten erfüllt, die von den Verdauungssäften nicht zerstört werden und
nur den Darmbakterien als Nahrung dienen, die gesundheitsfördernd wirken.
Enthält ein Produkt gleichzeitig Pre- und Probiotika, so wird es auch als
"synbiotisch" bezeichnet (von syn = zusammen), da beide in ihrer
Kombination einen positiven Einfluss auf die Gesundheit ausüben.
Genau wie die Probiotika müssen auch die Prebiotika bestimmte Kriterien
erfüllen, wie z.B. gesundheitliche Unbedenklichkeit oder Unverdaulichkeit
während der Magen-Dünndarm-Passage.
Zu den Prebiotika zählen Ballaststoffe, die erst im Dickdarm von Bakterien
abgebaut werden. Die wichtigsten Prebiotika sind Inulin und Oligofruktose. Sie
kommen in vielen Pflanzen vor: In geringen Mengen in Getreide, etwas mehr in
Zwiebeln, Knoblauch und Spargel und in etwas größerer Menge in
Löwenzahnwurzeln, Zichorienwurzeln (Chicorée) und Topinambur (einer
Gemüsesorte).
Inulin wird auch noch für andere Zwecke verwendet, so z.B. als Fettersatzstoff
(in den USA), oder in Diabetikerlebensmitteln.
Auch andere Ballaststoffe, die vom menschlichen Körper nicht verdaut werden,
können den Bakterien im Darm als Nahrung dienen. Diese haben jedoch keine
spezielle Wirkung auf die gesundheitsfördernden Bakterienstämme des Darms und
werden somit nicht als prebiotisch bezeichnet.
Ganz wichtig ist also, dass nicht alle Ballaststoffe prebiotisch wirken, sondern
nur ganz be-stimmte, wie z.B. Inulin oder Oligofructose.
Was versteht man unter einer gesunden Darmflora?
Der Dickdarm ist ein eigenes kleines Ökosystem. Unzählige Mengen an
Bakterien sind dort angesiedelt mit mehr als 500 Arten (Spezies). Man kann die
Darmbakterien in drei Gruppen einteilen:
- Milchsäurebakterien: Dazu gehören z.B. die Bifidobakterien,
Lactobacillus und Streptococcus
- Bakterien, die nur ohne Sauerstoff leben können (anaerobe Bakterien) ,
z.B. Clostridien
- Bakterien, die Sauerstoff zum Wachstum brauchen (aerobe Bakterien), z.B.
Enterokokken, Staphylokokken
Die Zusammensetzung der Darmflora ist relativ stabil. Als gesund wird sie
bezeichnet, wenn die gesundheitsfördernden Bakterienstämme in diesem großen
System überwiegen. Als besonders positiv wird dabei eine hohe Anzahl an
Bifidobakterien sowie an Lactobazillen angesehen. Negativ bewertet werden die
Bakterienstämme der zweiten und der dritten Gruppe, vor allem die Clostridien,
die z. B. bei gewissen Durchfallerkrankungen vermehrt vorhanden sind.
Normalerweise bildet die Bakterienflora ein stabiles System, welches verhindert,
dass sich krankmachende Bakterien oder andere Mikroorganismen im Darm ansiedeln
können. Eine gesunde Darmflora bietet also einen guten Schutz gegen das
Eindringen von schädlichen Fremdbakterien, die dann zu Erkrankungen führen
können.
Die normale Zusammensetzung der Darmflora wird durch verschiedene Faktoren
beeinflusst, z.B. durch das Lebensalter (der Erwachsene hat eine andere
Zusammensetzung als der Säugling) oder die Verdauungsflüssigkeiten. Aber auch
bestimmte Keime beeinflussen die Darmflora, wie z.B. Bifidobakterien, die eine
positive Wirkung haben.
Welche Störungen der Darmflora können auftreten?
Die Bakterien der Darmflora haben bedeutsame Aufgaben. So werden z.B.
Kohlenhydrate und andere Stoffe abgebaut oder Medikamente verstoffwechselt. Eine
ihrer wichtigsten Aufgaben ist jedoch der Schutz gegen krankmachende Fremdkeime
wie etwa gegen Salmonellen, die zu schweren Darmerkrankungen führen können.
Außerdem wird der Teil des Immunsystems beeinflusst, der mit der Darmwand in
Verbindung steht.
Das Gleichgewicht der Darmflora kann allerdings bei verschiedenen Belastungen
(Stress, Antibiotika, Alkohol, ballaststoffarme Kost) oder bei Erkrankungen der
Verdauungsorgane gestört sein, wodurch die Darmflora nicht mehr in der Lage
ist, sich gegen fremde schädliche Keime zu wehren. Auch Medikamente können
eine Änderung der Zusammensetzung bewirken, insbesondere Antibiotika, die die
Darmflora zum Teil zerstören.
Bei Störungen der Darmflora können folgende Krankheitsbilder auftreten:
Infektiöse Darmerkrankungen
Krankmachende Mikroorganismen besiedeln vorübergehend den Darm. Die
Salmonellose ist die häufigste Erkrankung dieser Art. Eine stabile Darmflora
bietet den besten Schutz davor.
Darmerkrankungen durch bestimmte Medikamente
Dazu zählen vor allem Durchfälle, die bei einer Antibiotikatherapie auftreten
können. Aber auch Entzündungen des Darms (Enteritis bzw. Enterokolitis), die
nach einer Strahlentherapie auftreten können, sind hierzu zu zählen. Hier ist
es notwendig, die Darmflora nach der Therapie wieder aufzubauen.
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Immer wieder in der Diskussion ist die Annahme, dass bestimmte schädigende
Keime der Darmflora für die Entstehung der chronisch-entzündlichen
Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa mit verantwortlich sind. Durch
den Einsatz von Probiotika und Prebiotika erhofft man sich eine Unterstützung
bei der Behandlung dieser Erkrankungen.
Immundefekte
Ein geschwächtes Immunsystem erleichtert den Befall des Darms mit den
krankheitserregenden Keimen oder auch die Besiedelung von Darmabschnitten mit
Bakterien, die normalerweise nicht besiedelt sind.
Eine geeignete Ernährung hilft dabei, das Gleichgewicht der Darmflora wieder
herzustellen bzw. stabil zu halten. Zum Einen können über die Ernährung
Prebiotika aufgenommen werden, die das Wachstum der gesundheitsfördernden
Darmbakterien günstig beeinflussen. Zum Anderen kann man probiotische Bakterien
aufnehmen, wodurch dann die Anzahl der positiven Bakterien erhöht wird.
Gesundheitliche Wirkungen der Probiotika und Prebiotika
Wie wirken Probiotika auf die Darmflora?
Probiotische Produkte können die Zusammensetzung der Darmflora günstig
beeinflussen. Diese Wirkungen können sie jedoch nur entfalten, wenn die
enthaltenen Mikroorganismen lebend in den Dickdarm gelangen, was bei den
Probiotika der Fall ist. Hier fügen sie sich kurzfristig in das Ökosystem des
Darms ein und produzieren bestimmte Stoffe, die ver-schiedene gesundheitliche
Wirkungen haben. Werden sie nicht mehr über die Ernährung zugeführt,
verringert sich die Zahl dieser Bakterien im Darm sehr bald wieder, so dass eine
regelmäßige Aufnahme über die Nahrung die Voraussetzung für die beobachteten
positiven Wirkungen ist.
Gesichert sind folgende Wirkungen der Probiotika:
 | Probiotika fördern den Abbau des Milchzuckers bei der
Milchzuckerunverträglichkeit, die auch als Laktoseintoleranz bezeichnet
wird Laktoseintoleranz - Milchzuckerunverträglichkeit). Daher werden
probiotische Milchprodukte von betroffenen Personen oftmals besser
vertragen, als unbehandelte Milch.
 | Bei Durchfällen, die entweder durch Erreger oder durch eine
Antibiotika- oder Strahlentherapie verursacht werden, können Probiotika
vorbeugend wirken oder auch die Erkrankungsdauer verkürzen.
 | Das Immunsystem wird positiv beeinflusst
 | Ereignisse im Stoffwechsel, die Darmkrebs fördern, können unterdrückt
werden. Dies lässt vermuten, dass Probiotika Dickdarmkrebs vorbeugen
können. |
| | |
Wie wirken Prebiotika auf die Darmflora?
Prebiotika haben verschiedene Wirkungen auf das menschliche Darmsystem.
 | Die Prebiotika, z. B. Inulin oder Oligofruktose, sind für den
menschlichen Darm nicht verdauliche Ballaststoffe, wodurch sie in die
tieferen Darmabschnitte gelangen. Dort dienen sie hauptsächlich den
gesundheitsfördernden Bakterienstämmen als Nahrung, beispielsweise den
Bifidobakterien, und erhöhen dadurch deren Anteil. Sie haben somit eine
selektive Wirkung.
Auf diese Weise läßt sich mit der Auswahl der Lebensmittel(inhaltsstoffe)
auch die Zusammensetzung der Darmflora in ein positives Gleichgewicht
bringen. Besonders die Bifidobakterien haben zahlreiche
gesundheitsfördernde Eigenschaften, daher ist es günstig ihr Wachstum zu
fördern.
 | Beim Abbau dieser Ballaststoffe durch die Dickdarmbakterien entstehen v.a.
Säuren, die für ein leicht saures Milieu im Dickdarm sorgen. Dadurch wird
insbesondere das Wachstum der Bakterien beeinträchtigt, die als weniger
günstig angesehen werden, wie z.B. Fäulniserreger. Man vermutet, dass u.a.
dadurch auch der Entstehung von Dickdarmkrebs vorgebeugt werden kann, was
aber noch weiterer Untersuchungen bedarf.
 | Als Ballaststoffe haben die Prebiotika in jedem Fall einen günstigen
Einfluss auf die Darmtätigkeit. Sie erhöhen das Stuhlgewicht und
verkürzen die Passagezeit des Nahrungsbreies im Darm. Das hat nicht nur auf
Darmprobleme wie Verstopfung einen günstigen Einfluss, sondern ebenso auf den
Fett- und Cholesterinstoffwechsel.
 | Zudem ließe sich durch eine Anreicherung von Lebensmitteln mit Inulin
oder Oligofruktose die Zufuhr an Ballaststoffen erhöhen, die, gemessen an
den Empfehlungen, zu niedrig ist.
30 Gramm Ballaststoffe pro Tag werden von der Deutschen Gesellschaft für
Ernährung empfohlen, die Aufnahme beträgt im Durchschnitt jedoch nur 20
Gramm pro Tag.
 | Schließlich haben die Prebiotika noch eine interessante Eigenschaft, die
bei der Herstellung von Lebensmitteln genutzt werden kann. Prebiotika bieten
sich nämlich als Ersatzstoff für Fett und Zucker an und können somit die
Herstellung kalorienärmerer Varianten bei verarbeiteten Produkten
ermöglichen. |
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Wie wirken Pre-/Probiotika bei Erkrankungen des
Magen-Darm-Traktes?
Man konnte feststellen, dass Probiotika einen vorbeugenden oder sogar
heilenden Effekt auf Durchfallerkrankungen ausüben. Das gilt sowohl für
Durchfälle, die durch Bakterien oder Viren ausgelöst werden, als auch für
solche, die nach einer Antibiotika- oder einer Strahlen-therapie auftreten
können.
Durchfälle, die nach einer Antibiotika- oder einer Strahlentherapie auftreten
können, werden durch Bakterienstämme ausgelöst, die gesundheitsschädliche
Wirkungen haben (z.B. Clostridium difficile), jedoch normalerweise in nur sehr
geringer Anzahl den Darm besiedeln. Durch eine Antibiotika- oder
Strahlentherapie werden die Bakterien mit positiver gesund-heitlicher Wirkung
zum Teil abgetötet, wodurch die ungünstigen Stämme mengenmäßig die Oberhand
gewinnen und die günstigen Bakterienstämme verdrängen. Durch die Zufuhr
probiotischer Produkte schlägt die Waage wieder zu Gunsten der
"guten" Bakterien aus.
Durchfallerkrankungen bei Kindern werden häufig durch Bakterien oder Viren
hervorgerufen. Kinder, die vermehrt probiotischen Joghurt zu sich nehmen,
erkranken seltener an diesen Durchfällen. Sie treten aber nicht nur seltener
auf, sondern sind auch von kürzerer Dauer.
Ein günstiger Effekt zeigt sich auch bei Entzündungen im Magen-Darm-Bereich
(Gastroenteritis), die gerade bei Kindern durch sogenannte Rotaviren ausgelöst
wird.
Ein positiver Effekt der Probiotika hat sich auch bei der Erkrankung mit dem
Hefepilz candida albicans gezeigt. Nach regelmäßigem Verzehr
probiotischer Produkte lässt sich eine Verminderung der Pilzrate feststellen.
Diese Wirkungen auf die Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes zeigen sich auch
deutlich bei den Prebiotika, die ja das Wachstum der probiotischen
Bakterien fördern.
Einsatz von Probiotika bei Milchzuckerunverträglichkeit
(Laktoseintoleranz)
Der in Milch und Milchprodukten vorkommende Milchzucker (Laktose) wird im
Dünndarm von Enzymen gespaltet, um aufgenommen werden zu können. Fehlt das
entsprechende Enzym, gelangt unverdauter Milchzucker in tiefere Darmabschnitte
und wird durch die dort angesiedelten Darmbakterien abgebaut. Bei diesem Abbau
entstehen Stoffe, die je nach Menge unerwünschte Beschwerden auslösen, wie zum
Beispiel Blähungen, Durchfall und Unterleibskrämpfe. Auch unverdauter
Milchzucker trägt zu diesen Beschwerden bei, da er einen verstärkten
Wassereinstrom in den Darm bewirkt, was dann zu Durchfällen führt. Von dieser
Laktoseunverträglichkeit sind in Deutschland etwa 15 bis 20 Prozent der
erwachsenen Bevölkerung betroffen. Bei einem Teil der Betroffenen rufen schon
kleine Mengen Milch klinische Symptome hervor. Daher wird der wichtige
Calciumlieferant Milch oft komplett gemieden.
Probiotische Milchprodukte werden oft besser vertragen als Milch. Das ist
zum Einen bedingt durch eine verlängerte Magen-Darm-Passagezeit dieser
Produkte. Zum Anderen enthalten die darin enthaltenen lebenden Mikroorganismen
das Enzym für den Milchzuckerabbau, das den Magen unbeschadet passiert und im
Dünndarm des Menschen den Milchzucker für die Verdauung spaltet.
Dementsprechend bleibt relativ wenig ungespaltener Milchzucker übrig, der in
die tieferen Darmabschnitte gelangen kann. Nur lebende Keime, also Probiotika,
können diese positiven Wirkungen bei Milchzuckerunverträglichkeit entfalten.
Haben Prebiotika einen Einfluss auf den Fettstoffwechsel?
Bei den Prebiotika handelt es sich ja um Ballaststoffe, die den
probiotischen Bakterien als Nahrung dienen. Als Ballaststoffe haben sie auch
noch die Eigenschaft, erhöhte Blutfettspiegel und erhöhte Cholesterinwerte zu
senken. Die cholesterinhaltigen Gallensäuren werden im Darm durch die
Ballaststoffe gebunden und vermehrt ausgeschieden. Nicht eindeutig geklärt ist
allerdings, inwieweit die prebiotische Wirkung dieser speziellen Ballaststoffe
direkten Einfluss auf den Fettstoffwechsel nimmt.
Einsatz der Prebiotika bei Diabetikern
Für den Diabetiker ist die Art und Menge der aus der Nahrung
aufgenommenen Kohlenhydrate von großer Bedeutung.
Vor allem beim Typ-2-Diabetiker kann mit Hilfe einer Gewichtsabnahme, aber auch
mit einem erhöhten Verzehr ballaststoffreicher und kalorienarmer Lebensmittel
eine Verbesserung seiner Erkrankung erreicht werden. Die Prebiotika
Inulin und Oligofruktose sind zwar ebenfalls Kohlenhydrate, werden jedoch als
Ballaststoffe vom menschlichen Verdauungssystem nicht aufgespalten. Sie haben
daher einen günstigen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel auf Grund der
langsameren Aufnahme ins Blut. Außerdem haben Prebiotika einen geringen
Kaloriengehalt (etwa 1 - 1,5 Kalorien pro Gramm), was für eine Gewichtsabnahme
der Betroffenen vorteilhaft ist.
Pre-/Probiotika und das Immunsystem
Probiotika und auch die Prebiotika können das Immunsystem
positiv anregen.
Bei der Aktivierung des Immunsystems werden Abwehrfaktoren gebildet, die fremde,
gesundheitsschädliche Stoffe bekämpfen. Durch die Aufnahme von Probiotika
(speziell nachgewiesen für Bifidobacterium bifidum und Lactobacillus
acidophilus) wird die Aktivität der Körperzellen erhöht, die diese
Abwehrstoffe bilden. Somit ist die Fähigkeit des Körpers gestärkt, sich gegen
die gesundheitsschädlichen Keime, wie zum Beispiel Salmonellen, zur Wehr zu
setzen. Eine generelle Aussage darüber, ob der regelmäßige Verzehr der
Probiotika Infektionskrankheiten effektiv verhindert, lässt sich derzeit jedoch
noch nicht treffen. Dazu bedarf es weiterer Untersuchungen, die die komplexen
Wirkungen innerhalb des Immunsystems erfassen.
Ein Hinweis auf eine Stärkung des Immunsystems durch die Probiotika zeigt auch
die Tat-sache, dass sie bei regelmäßiger Einnahme die Häufigkeit und die
Dauer verschiedener Darm-erkrankungen (z. B. Durchfälle) verringern können.
Pre-/Probiotika in der Prävention von Dickdarmkrebs
Bakterien des Dickdarms besitzen Enzyme für verschiedene Aufgaben. Ein Teil
dieser Enzyme kann Bestandteile des Darminhaltes in krebserregende Stoffe
umwandeln. Einige probiotische Bakterienkulturen können nun die Anzahl der
Bakterien, die diese Enzyme enthalten, reduzieren. Die klassischen
Joghurtkulturen können dies nicht.
Probiotika können auch krebserregende Stoffe, die über die Nahrung aufgenommen
werden, binden. Schon länger ist z.B. bekannt, dass beim Grillen von Fleisch
krebsauslösende Substanzen gebildet werden, die dann über das Essen in den
Körper aufgenommen werden.
Zudem können die probiotischen Mikroorganismen die Entstehung sekundärer
Gallensäuren hemmen. Diese entstehen aus den primären Gallensäuren und gelten
ebenfalls als krebs-erregend. Gallensäuren fallen fortwährend im
Stoffwechselprozess an, wobei die gesundheits-gefährdende Umwandlung in die
sekundären Gallensäuren im Darm erfolgt.
Eine weitere Möglichkeit bei der erfolgreichen Vorbeugung bösartiger Tumore
ist auch die Stimulation des Immunsystems, die durch Probiotika erzielt werden
kann.
Probiotika in der Therapie von Morbus Crohn und Colitis
ulcerosa
Für die Entstehung der Erkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
spielen die Darmflora, eine überschießende Reaktion des Immunsystems sowie
eine geschwächte Barrierefunktion der Darmwand eine große Rolle.
Die Probiotika haben auf die verschiedenen auslösenden Faktoren einen
gesundheits-fördernden Einfluss. Daher erhofft man sich, durch den Einsatz von
Probiotika, positive Auswirkungen bei der Behandlung dieser Erkrankungen. Erste
Hinweise auf positive Wirkungsmechanismen sind festzustellen, eindeutige und
konkrete Beweise für diese Annahmen gibt es bislang jedoch noch nicht.
Pre-/Probiotika und Medikamente
Probiotische Milchsäurebakterien zeigen eine natürliche
Widerstandskraft gegenüber einer großen Gruppe klinisch bedeutsamer
Antibiotika. Sie werden von den Antibiotika nicht abgetötet und können daher
ihren positiven Einfluss auf die Darmflora auch unter einer medikamentösen
Therapie entfalten, wodurch z.B. Durchfallerkrankungen vorgebeugt werden kann.
Aber auch bei der Antibiotika-Behandlung von Erkrankungen des weiblichen
Genital-traktes sowie von entzündlichen Erkrankungen des Herzens (infektiöse
Endokarditis) könnten Probiotika zum Einsatz kommen.
Da Probiotika das Immunsystem stimulieren, steht der Einsatz von Probiotika
sowohl bei der medikamentösen Behandlung von Immun-Erkrankungen als auch von
Krebs-Erkrankungen in der Diskussion.
Die möglichen Wirkungen auf das Immunsystem und auf Entzündungsprozesse lässt
Probiotika auch für den Einsatz bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa als
begleitende Therapie interessant erscheinen.
Durch Prebiotika wird das Wachstum der Bifidobakterien gefördert.
Diese sorgen unter Anderem für die beschleunigte Wiederherstellung einer
gesunden Darmflora, die beispielsweise durch den Einsatz von Antibiotika leidet.
Probiotika und Prebiotika in der täglichen Ernährung
Gibt es Risiken bei einem dauerhaften Verzehr von
Pre-/Probiotika?
Ein Kriterium, das beim Einsatz von probiotischen Bakterienkulturen
von Seiten des Gesetz-gebers erfüllt sein muss, ist die gesundheitliche
Unbedenklichkeit. Die Stämme dürfen also weder giftig noch krankheitserregend
sein. Die Bakterienkulturen, die bisher in Produkten eingesetzt werden, wurden
auf ihre Sicherheit überprüft und als sicher erkannt.
Die Substanzen, die als Prebiotika in Lebensmitteln verwendet werden,
sind Ballaststoffe, die auch natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommen.
Inulin befindet sich in über 36 000 Pflanzenarten. Von Seiten des Gesetzgebers
sind Inulin und Oligofruktose als Lebensmittelzutaten zugelassen.
Tabelle: Gehalte verschiedener Pflanzenarten an Inulin und Oligofruktose
|
Pflanzenart
|
Gehalt an Inulin und
Oligofruktose
in Prozent (%) |
|
Chicorée
|
15 - 20
|
|
Knoblauch
|
9 - 16
|
|
Porree
|
3 - 10
|
|
Roggen
|
0,5 - 1
|
|
Weizen
|
1 - 4
|
|
Spargel
|
1 - 30
|
|
Zwiebeln
|
2 - 6
|
|
Bananen
|
0,3 - 0,7
|
nach: de Vrese, 1997
Die Verträglichkeit ist nicht pauschal zu beurteilen. Nach den bisherigen
Untersuchungen werden 10 Gramm Prebiotika pro Tag ohne Beschwerden im
Magen-Darm-Bereich vertragen. Bei Personen, die diese Substanzen schon über
längere Zeit aufnehmen, kommt es offen-sichtlich zu einem Gewöhnungseffekt und
es werden auch größere Mengen problemlos vertragen.
In einigen Fällen wurde jedoch auch schon bei geringeren Mengen, d.h. unter 10
Gramm pro Tag, von Blähungen berichtet. Diese Wirkungen können jedoch auch
generell auftreten, wenn der Ballaststoffanteil der Nahrung erhöht wird.
Insofern ist es empfehlenswert, die Verzehr-menge nach und nach zu steigern.
In welchen Lebensmitteln werden Probiotika oder/und
Prebiotika eingesetzt?
Die größte Gruppe der Lebensmittel, denen probiotische Kulturen
zugesetzt werden, ist immer noch die der Milcherzeugnisse. Dazu gehören
Joghurts, Trinkjoghurts, Milchdrinks und einige Quarkvarianten. Daneben sind
Fruchtgetränke auf Getreide- und Gemüsebasis im Handel erhältlich.
Prebiotika werden - oft zusammen mit probiotischen Bakterienkulturen - in
Milchprodukten eingesetzt. In ihrer Kombination werden sie auch als Synbiotika
bezeichnet. Des Weiteren werden Inulin und Oligofruktose einigen Backmischungen
für Brot und Brötchen zugesetzt. Weitere Produkte mit prebiotischem Zusatz
sind zum Beispiel Müsliriegel, Kekse, Süßwaren, Säfte, Kautabletten.
Welche Verzehrmengen von Pro-/Prebiotika werden empfohlen?
Wie hoch die Zufuhr der probiotischen Bakterien sein sollte, um einen
gesundheitlichen Nutzen zu erzielen, ist nicht genau bekannt. Bislang geht man
davon aus, dass eine tägliche Mindestaufnahme von 108
koloniebildenden Einheiten für die probiotischen Effekte bedeutsam ist und
diese Anzahl durch den Verzehr von etwa 100 Gramm probiotischem Lebensmittel pro
Tag erreicht wird. Ein regelmäßiger Verzehr, möglichst täglich, wird
empfohlen, da die Besiedelung mit gesundheitsfördernden Keimen nachläßt,
nachdem die Zufuhr über die Nahrung eingestellt wird.
Bei Prebiotika zeigten sich nachweisbare Effekte bei einem Verzehr ab 3
Gramm pro Tag. Die enthaltenen Mengen werden noch nicht bei allen prebiotischen
Produkten angegeben. Konkrete Mengenangaben liegen für prebiotisches Brot und
prebiotische Brötchen vor (z. B. "Cult 1"). Durch den Verzehr von 2
prebiotischen Brötchen (à jeweils 60 Gramm) nimmt man rund
4 Gramm Prebiotika auf.
Bei anderen Lebensmitteln, die Prebiotika enthalten, liegt der Gehalt im Schnitt
häufig zwischen 1 und 4 Prozent. Bei einer Verzehrmenge von 150 Gramm des
betreffenden Lebensmittels würde dies eine Aufnahme von 1,5 bis 6 Gramm
Prebiotikum bedeuten. Ein günstiger Nebeneffekt ist der geringe Kaloriengehalt
von Inulin (1,0 Kilokalorien pro Gramm) und Oligosacchariden (1,5 Kilokalorien
pro Gramm). Er ist bedeutend geringer als der von Eiweiß oder anderen
Kohlenhydraten (etwa 4 Kilokalorien pro Gramm).
Literatur
 | Biesalski, H.-K., Ernährungsmedizin, Thieme Verlag, Stuttgart, 1999
 | Kluthe, R., Ernährungsmedizin in der Praxis, Spitta-Verlag, Balingen,
1999
 | de Vrese, M., Ernährungsumschau 44, 1997, Heft 11, S. 398-402
 | AID-Presseinfo Nr. 29, 1998, S.3
 | Kochpraxis und Gemeinschaftsverpflegung, 46, Heft 3, 1998, S. 36-38
 | Kasper, H., Ernährungsumschau 43, 1996, Heft 2, S. 40-45 |
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