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Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern

 

Einführung

In den letzten Jahren haben zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen immer deutlicher gezeigt, daß die Qualität der Ernährung in der frühen Kindheit nicht nur kurzfristig Wachstum und Wohlbefinden beeinflußt, sondern positive Auswirkungen auf die weitere Entwicklung und sogar noch auf die Gesundheit im höheren Alter hat. Zudem werden Ernährungsgewohnheiten schon früh geprägt, so daß eine vollwertige und ausgewogene Ernährungsweise bei Kindern auch eine gute Grundlage für ein späteres gesundheitsbewußtes Eßverhalten ist. Es lohnt sich also, von Anfang an auf eine möglichst hochwertige Ernährung von Kindern zu achten.

Während Erwachsene durch Essen und Trinken nur den täglichen Verbrauch an Nährstoffen und Energie ersetzen müssen, benötigen Kinder zusätzlich ganz erhebliche Nährstoffmengen für Wachstum und Entwicklung. Diese enormen Anforderungen an den Organismus werden deutlich, wenn man sich die rasante Geschwindigkeit des Wachstums vor Augen führt. Das Körpergewicht eines gesunden Säuglings verdoppelt sich in den ersten vier Monaten und verdreifacht sich bis zum Ende des ersten Lebensjahres, was eine unvorstellbare Stoffwechselleistung darstellt. Gleichzeitig sind aber die im kindlichen Organsimus gespeicherten Nährstoffreserven nur sehr gering. Deshalb kann eine unausgewogene Ernährung gerade bei jüngeren Kindern besonders rasch zu Mangelsituationen und nachteiligen Folgen führen.

Säuglinge in den ersten vier Monaten


Allgemeines

In den ersten vier Monaten sollten Säuglinge ausschließlich mit Muttermilch oder einer industriell hergestellten Säuglingsmilch gefüttert werden. Mit dieser Nahrung erhalten sie alle erforderlichen Nährstoffe außer Vitamin D und Fluorid. Der Einsatz von anderen Lebensmitteln ist zu diesem Zeitpunkt nicht notwendig oder sogar schädlich. Zum Beispiel können zu früh eingeführte Lebensmittel (Säfte oder Breie) unter Umständen eine Allergie hervorrufen.


Vorteile des Stillens

Das Stillen von Säuglingen bietet eine ganze Reihe von Vorteilen:
Die Nährstoffe der Muttermilch sind ideal an die Bedürfnisse des Säuglings angepaßt.
Muttermilch enthält eine große Zahl von Abwehrfaktoren, die das gestillte Kind wirksam vor Infektionen schützen. Untersuchungen in Industrieländern belegen, daß gestillte Kinder in den ersten drei Lebensmonaten wesentlich seltener an Darminfektionen mit Durchfall erkranken (2,9 Prozent der gestillten Säuglinge im Vergleich zu 15,7 Prozent der nicht gestillten Kinder). Auch Infektionen der Atemwege sind bei gestillten Säuglingen seltener.
Zu beachten ist, daß sich die Zusammensetzung der Frauenmilch mit dem Alter des Säuglings und sogar im Verlauf jeder Stillmahlzeit ändert: Der Eiweiß- und Mineralstoffgehalt nimmt ab, der Fettgehalt steigt.
Muttermilch schont das noch nicht voll ausgereifte Verdauungssystem und fördert die natürliche Keimbesiedlung des Darmes.
Stillen bietet einen gewissen Schutz vor Allergien, da kein körperfremdes Eiweiß an die Magen-Darm-Schleimhaut gelangt.
Stillen gewährleistet offenbar auch einen langfristigen Schutz vor Erkrankungen.
Studien geben Hinweise darauf, daß gestillte Säuglinge im späteren Lebensalter seltener an der Zuckerkrankheit, an der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn sowie an Lymphdrüsenkrebs erkranken als nicht gestillte Kinder.
Da die Milchproduktion von der Saugleistung des Kindes abhängig ist, tritt weder eine Unterernährung noch eine Überfütterung auf. Die Milchmenge, die für ein normales Wachstum notwendig ist, kann aber von Kind zu Kind unterschiedlich sein. Schreit ein Säugling schon bald nach der Mahlzeit, obwohl er gut aufgestoßen hat, und ist die Gewichtszunahme unbefriedigend, sollte die tatsächlich aufgenommene Trinkmenge eines Tages kontrolliert werden. Dazu wird der Säugling mit der gleichen Kleidung vor und nach jeder Mahlzeit gewogen. Das Ergebnis sollte mit dem Kinderarzt besprochen werden.


Nachteile des Stillens

Als Nachteil des Stillens kann angesehen werden, daß Nikotin oder Pestizide, die die Mutter aufgenommen hat, in den kindlichen Organismus gelangen . Während es möglich sein sollte, während der Stillzeit auf das Rauchen zu verzichten, gibt es keine Möglichkeit, das Übertreten von Pestizidrückständen aus dem Fettgewebe der Mutter in den kindlichen Organismus zu verhindern. Doch sollte auf das Stillen aus diesem Grund nicht verzichtet werden, da die positiven Effekte eindeutig überwiegen.

Eine Übertragung von Medikamenten über die Muttermilch ist ebenfalls möglich. Auf keinen Fall darf gestillt werden, wenn die Mutter eine akute oder chronische Infektionserkrankung wie beispielsweise Tuberkulose hat. Es können sowohl die in diesen Fällen angewandten Antibiotika als auch unter Umständen Krankheitserreger über die Muttermilch in den Blutkreislauf des Kindes gelangen. In jedem Fall sollte eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Industriell hergestellte Milchnahrung


Übersicht

Ist die Mutter nicht in der Lage, ihr Kind zu stillen oder möchte sie es nicht, dann sollte das Baby eine industriell hergestellte Säuglingsmilch erhalten.

Die Säuglingsmilchnahrungen der deutschen Herstellerfirmen lassen sich in zwei Hauptgruppen unterteilen. Das Unterscheidungskriterium liegt in der Zusammensetzung des Kohlenhydratanteiles. Die nachfolgende Tabelle zeigt, zu welcher Gruppe eine Säuglingsmilchnahrung gehört.

Die in der Tabelle erwähnte Folgemilch entspricht mit ihrer Zusammensetzung weniger der Muttermilch als vielmehr der Vollmilch. Sie eignet sich daher nicht für den Einsatz in den ersten vier Monaten.

Die Dosierungsanweisungen auf der Packungsbeilage sind in jedem Fall genauestens zu befolgen. Zusätze von Vitaminen und Spurenelementen (Eisen, Zink, Kupfer, Jod) sind in den Säuglingsmilchnahrungen und in Folgemilch in ausreichendem Maße enthalten. Deshalb ist es nicht nötig, der industriell hergestellten Milch Saft, Gemüse oder Obst zuzusetzen.


Übersicht über industriell hergestellte Säuglingsmilch
 
Säuglingsmilchnahrung
Folgemilch
Hersteller Kohlenhydrat:
Milchzucker
Kohlenhydrate:
Milchzucker, Stärke,
evtl. andere KH
 
De-Vau-Ge-Gesundheitskost Pre Granomil    
Hipp Pre Hipp Hipp 1 Hipp 2
Humana Pre Humana Humana 1*
Humana babyfit*
Humana 2*
Milchwerke
Mittelelbe
Pre Milasan Milasan 1 Milasan 2
Milupa Pre Aptamil Aptamil 1
Milumil 1*
Aptamil 2
Milumil 2
kristallzuckerfrei*
Milumil 2
Nestlé Pre Aletemil
Pre Beba
Aponti pre
Aletemil*
Beba 1
Aponti 1*
Ki-Na
Manasan
Aletemil plus*
Beba 2
Aponti 2*
Töpfer Pre Lactana A Lactana B* Lactan C

*Enthalten als Kohlenhydrate neben den gewünschten Mengen von Milchzucker (Laktose) und Stärke noch andere, nicht erforderliche Kohlenhydrate (nach Forschungsinstitut für Kinderernährung, Dortmund 1995)


Säuglingsmilchnahrung

Säuglingsmilchnahrungen mit der Silbe "Pre" im Namen (zum Beispiel: "Pre Hipp") haben als einzige Kohlenhydratquelle Laktose (Milchzucker). Diese Nahrungen sind in ihrer Konsistenz mit der Muttermilch zu vergleichen. Sie sättigen nicht so anhaltend wie stärkehaltige Milch und sollten wie Muttermilch nach Bedarf des Kindes gefüttert werden. Auch bei dieser Ernährungsweise können pro Tag sechs Mahlzeiten notwendig sein.

Bei Säuglingsmilchnahrungen mit der Ziffer "1" (zum Beispiel "Humana 1") sind die Kohlenhydratlieferanten Milchzucker und zu einem geringen Anteil Stärke. Der Stärkezusatz (etwa 2 Prozent) wird in dieser Menge gut vertragen. Er macht die Milch sämiger und kann zu einer längeren Sättigung führen, somit auch zu weniger Mahlzeiten pro Tag. Allerdings kann es bei stärkehaltiger Nahrung leichter zu einer Überfütterung des Säuglings kommen als bei stärkefreier. Deshalb ist es wichtig, das Gewicht regelmäßig zu kontrollieren.

Das Kind bekommt eine seinem Bedarf angepaßte Nahrung, wenn es im ersten Halbjahr eine wöchentliche Gewichtszunahme von 150 - 200 Gramm und im zweiten Halbjahr von etwa 100 Gramm aufweist.

Ein Wechsel der Säuglingsmilchnahrung ist im ersten Lebensjahr nicht erforderlich. Hat man einmal mit einer "Pre"-Nahrung oder "1"-Nahrung begonnen, so kann diese ruhig bis zum Ende des ersten Lebensjahres weitergegeben werden, bis das Kind gegen Ende des ersten Lebensjahres beginnt, Vollmilch aus dem Becher zu trinken.


Säuglingsanfangsnahrung

Wenn Säuglingsmilch Sojaprotein enthält (beziehungsweise eine Mischung aus Kuhmilch- und Sojaprotein), muß sie nach der derzeit gültigen EU-Richtlinie als "Säuglingsanfangsnahrung" bezeichnet werden. Säuglingsmilch mit Sojaprotein ist eine Alternative für Kinder mit Laktose-Intoleranz. Für allergiegefährdete Kinder bedeutet Sojaprotein ebenso wie Kuhmilchprotein ein potentielles Allergen. Bei Milchnahrungen auf Sojabasis muß Calcium und Eisen ergänzt werden.


Folgemilch

Ab dem fünften Lebensmonat ist eine Umstellung von der Säuglingsmilchnahrung auf eine Folgemilch sinnvoll, aber nicht nötig. Es kann auch Säuglingsmilch weitergefüttert werden.


Folgenahrung

Wenn eine Folgemilch Sojaprotein (beziehungsweise eine Mischung aus Kuhmilch- und Sojaprotein) enthält, muß sie nach der derzeit gültigen EU-Richtlinie als "Folgenahrung" bezeichnet werden.


Selbstherstellung von Säuglingsmilch

Eine Selbstherstellung von Säuglingsmilch ist prinzipiell möglich, aber nicht empfehlenswert. Sie erfordert einerseits besondere hygienische Sorgfalt und Genauigkeit bei der Zubereitung, andererseits kann der Nährstoffgehalt nie so ausgewogen sein wie bei einer industriell hergestellten Säuglingsmilch.


Zusätzliche Flüssigkeit

Die Gabe von zusätzlicher Flüssigkeit ist in den ersten vier bis sechs Monaten bei gesunden Säuglingen nicht erforderlich. Schwitzt ein Baby einmal sehr stark aufgrund von Fieber oder hohen Temperaturen, kann es nötig sein, zusätzlich Flüssigkeit zu geben. Hier bieten sich abgekochtes Trinkwasser oder kohlensäurefreies Mineralwasser an.

Ernährung ab dem fünften Monat bis zum ersten Jahr


Schrittweises Ersetzen von Milchmahlzeiten durch Brei

Ab dem fünften, spätestens aber ab dem siebten Monat, sollte mit der Fütterung von Breikost begonnen werden, unabhängig davon, ob ein Kind mit Muttermilch oder mit einem industriell hergestellten Muttermilchersatz ernährt wird.

Im fünften, im sechsten und im siebten bis neunten Lebensmonat wird jeweils eine Milchmahlzeit durch eine neue Beikostmahlzeit abgelöst. Im zehnten bis zwölften Monat beginnt der Übergang auf das Mahlzeitenschema der Familienernährung. Hieraus resultieren für diese entsprechenden Monate unterschiedliche Tagesernährungspläne.


Tagesmahlzeiten im ersten Lebensjahr nach dem Ernährungsplan des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE):

Alter
Art der Mahlzeiten
1.-4. Monat
Muttermilch oder Säuglingsmilch
5. Monat Milchmahlzeit Milchmahlzeit Karotten-Kartoffel- Fleisch-Brei Milchmahlzeit evtl. Milchmahlzeit
6. Monat Milchmahlzeit Gemüse-Kartoffel- Fleisch-Brei Milchmahlzeit Vollmilch- Getreide-Brei evtl. Milchmahlzeit
7.-9. Monat Milchmahlzeit Gemüse-Kartoffel- Fleisch-Brei Getreide-Obst-Brei Vollmilch- Getreide-Brei evtl. Milchmahlzeit
10.-12.Monat Säuglingsmilch oder Milch + Brot Zwischenmahlzeit Gemüse-Kartoffel- Fleisch-Brei Zwischenmahlzeit Milchbrei oder Milch + Brot

 

Anmerkung: Eine Milchmahlzeit kann entweder aus Muttermilch oder aus einer industriell hergestellten Säuglingsmilch bestehen.

Ernährung im fünften Lebensmonat

Ab dem fünften Monat wird eine Milchmahlzeit durch einen Karotten-Kartoffel-Fleisch-Brei mit Fettzusatz abgelöst. Dieser Brei dient dem Zweck, die Milchnahrung vor allem mit gut ausnutzbarem Eisen und Zink sowie mit den Vitaminen A, B1, B6 und C zu ergänzen und führt erstmals Ballaststoffe in die Nahrung ein.

Rezept:

Karotten-Kartoffel-Fleisch-Brei:

90 g Karotten, 40 g Kartoffeln, 20 g mageres Fleisch, 10 g Fett (Butter und Sojaöl im Wechsel) und 30 g Orangensaft (oder Wasser).

Aus der Karotten-Kartoffel-Fleisch-Mahlzeit stammen nur ein Viertel der Nahrungsmenge und ein Drittel der Energiezufuhr des Tages. Diese Mahlzeit liefert aber 40 bis 50 Prozent der Tageszufuhr an mehrfach ungesättigten Fettsäuren ( n-6 Linolsäure und n-3 alpha - Linolensäure aus Sojaöl) sowie 40 bis 50 Prozent der Tageszufuhr an Kalium, Magnesium, Zink und den Vitaminen B1, B6, Niacin(äquivalenten) und C. Die Tageszufuhr an Kupfer, Mangan, Vitamin A und Ballaststoffen stammt sogar zu 80 bis 100 Prozent aus der Karotten - Kartoffel - Fleisch - Mahlzeit.

Der Eisengehalt des Breies ist gering. Das Eisen in dieser Mahlzeit dürfte aber eine relativ hohe Bioverfügbarkeit haben, da Fleisch zum einen gut verfügbares Hämeisen enthält und zum anderen die Resorption von anderen Eisensalzen fördert. Die Resorption von Eisen wird noch durch die gleichzeitige Gabe von Vitamin C gefördert.

Ernährung im sechsten Monat

Im sechsten Monat wird als zweite Beikostmahlzeit ein Brei aus Kuhvollmilch und Vollkorngetreide eingeführt, dem Vitamin-C-reicher Orangensaft zugesetzt wird. Die Rezeptur der Gemüsemahlzeit erhöht sich geringfügig (größere Gemüseauswahl, erhöhte Fleischmenge, Eigelb).

Rezepte:

Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei:

90 g Gemüse, 40 g Kartoffeln, 25 g mageres Fleisch (6x pro Woche) bzw. 1 Eigelb (1x pro Woche), 10 g Fett (Butter und Sojaöl im Wechsel), 30 g Orangensaft (oder Wasser).
Vollmilch-Getreide-Brei:
200 g Vollmilch, 20 g Vollkornflocken, 20 g Orangensaft.
Der Vollmilch-Getreide-Brei weist einen hohen Kalziumgehalt auf. Darüber hinaus besitzt er eine hohe Nährstoffdichte in Bezug auf Protein, Phosphor, Magnesium, Zink, Kupfer und Vitamin B2.

Wer lieber einen Fertigmilchbrei füttern will, kann folgende Aspekte als Auswahlkriterien heranziehen:
Die Zusammensetzung sollte so einfach wie möglich sein. Die Zutatenliste ist hierfür eine gute Kontrolle.
Der Brei sollte einen Jodzusatz zur Kropfvorbeugung enthalten.
Der Brei sollte möglichst keinen Zucker enthalten. Zucker kann sich hinter den unterschiedlichsten Bezeichnungen verbergen: Saccharose (Haushaltszucker), Maltose (Malzzucker), Maltodextrin, Glucose (Traubenzucker), Glucosesirup, Fruktose (Fruchtzucker), Honig, Apfel- oder Birnendicksaft.
Auch sollte auf Geschmackszutaten wie Nüsse, Kakao, Schokolade, Gewürze oder Aromen aus Gründen der Allergievorbeugung verzichtet werden.

Ernährung im siebten bis neunten Lebensmonat

Im siebten Monat wird eine weitere Milchmahlzeit durch eine Breimahlzeit ausgetauscht. Als dritter Brei kommt der milchfreie Getreide-Obst-Brei mit Fettzufuhr dazu.

Dieser kohlenhydrat- und fetthaltige Brei trägt zur Deckung des Energiebedarfs bei, ohne die Eiweißzufuhr unnötig weiter zu erhöhen. Bei diesem milchfreien Brei kann der Fettanteil durch Butter gedeckt werden, da schon das Sojaöl im Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei die benötigten essentiellen Fettsäuren liefert.

Rezept:

Milchfreier Getreide-Obst-Brei:

20 g Vollkorngetreideflocken, 90 g Wasser, 100 g Obst der Jahreszeit und 5 g Butter.
Diesem Brei sollte weder Milch noch Joghurt oder Sahne zugesetzt werden.
Die einzelnen Breie liefern einen unterschiedlichen Beitrag zur Nährstoffdeckung:
Gemüse-Karotten-Kartoffel-Fleisch-Brei:
Dieser Brei ist besonders reich an Vitaminen, Eisen und Ballaststoffen. Durch den Ölzusatz werden außerdem zwei Drittel des Tagesbedarfs an mehrfach ungesättigten Fettsäuren gedeckt.

 
Vollmilch-Getreide-Brei:
Dieser Brei liefert besonders viel Kalzium, Phosphor und Vitamin B2.

 
Milchfreier Getreide-Obst-Brei:
Dieser Brei ergänzt die Nährstoffgehalte der anderen Mahlzeiten insbesondere mit Vitamin B6, Magnesium, Kupfer, Mangan und Ballaststoffen.

 

Was zu beachten ist: Durch die Reduzierung des Anteils an jodangereicherter Säuglingsmilchnahrung sinkt insgesamt die Jodzufuhr. Dies kann nicht vollständig durch die Breikost kompensiert werden.

Wer einen Fertigmilchbrei bevorzugt, dem erleichtern folgende Aspekte die Auswahl:
Auch hier gilt wieder: Je einfacher, umso besser. Die Zusammensetzung läßt sich aus der Zutatenliste entnehmen.
Alle von den Herstellern angebotenen Vollkorn-Obst-Breie können ab dem siebten Lebensmonat eingesetzt werden, auch wenn der Hersteller auf der Banderole einen anderen Einsatzzeitpunkt angibt.
Aufgrund des hohen Nährstoffgehaltes sollten grundsätzlich Breie mit Vollkorngetreide bevorzugt werden.
Nach wie vor gilt: möglichst kein Zuckerzusatz.

Ernährung im zehnten bis zwölften Monat

Gegen Ende des ersten Lebensjahres werden die vier hinsichtlich der Verzehrsmenge und Energiegehalt weitgehend gleichen Mahlzeiten gegen drei Hauptmahlzeiten und zwei kleinere Zwischenmahlzeiten ausgetauscht. Damit wird die Säuglingsnahrung weitgehend den familiären Eßgewohnheiten angepaßt.

Rezepte:

Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei:

100 g Gemüse, 60 g Kartoffeln, 35 g Fleisch (6x pro Woche) oder 1 Eigelb (1x pro Woche), 10g Sojaöl, 45 g Orangensaft (oder Wasser)
Vollmilch-Getreide-Brei:
200 g Vollmilch, 20g Vollkornflocken, 20 g Orangensaft oder
Milch + Brot: 25 g Brot, 5 g Sonnenblumenmargarine oder Butter, + 150 g Vollmilch (aus Becher oder Tasse), evtl. + 50 g Frischobst
Zwischenmahlzeit (Beispiel):
25 g Brot, 5 g Sonnenblumenmargarine, + 50 g Frischobst bzw. Rohkost oder 50 g Orangensaft (mit 50 g Wasser verdünnt) oder
Müsli: 10 g Vollkornflocken + 50 g Frischobst + 20 g Orangensaft (mit 30 g Wasser verdünnt) oder
20 g Vollkornzwieback, 50 g Orangensaft (mit 50 g Wasser verdünnt).
Getränke:

nach Bedarf zuckerfreie Getränke, z.B. Trinkwasser, Mineralwasser, Früchte- oder Kräutertee.

Ernährung bei hohem Allergierisiko

Besteht für ein Baby ein erhöhtes Allergierisiko, da Vater und Mutter Allergiker sind, sollte besonders genau auf die Ernährung geachtet werden.

Allgemein gilt, daß möglichst sechs Monate voll gestillt werden sollte. Wenn dies nicht möglich ist, sollte auf jeden Fall eine spezielle Säuglingsmilchnahrung mit teilweise gespaltenem (= hydrolysiertem) Eiweiß verwendet werden. In solchen Nahrungen ist der Gehalt an allergieauslösenden Eiweißbestandteilen (Antigenen) niedrig. Allerdings verwenden die Hersteller noch unterschiedliche Bezeichnungen wie "hypoallergen", "hypoantigen" oder "H.A".

Hat das Kind bereits eine Allergie entwickelt, darf auch diese Milchnahrung nicht eingesetzt werden, sondern es muß auf eine spezielle Säuglingsmilchnahrung mit hochgradig gespaltenem Eiweiß zurückgegriffen werden. Informationen liefert hierzu der Kinderarzt.

Auch bei Kindern mit einem hohen Allergierisiko kann der Einsatz von Beikost ab dem sechsten Lebensmonat erfolgen. Allerdings sollte man hier neue Lebensmittel immer einzeln und im Abstand von einer Woche einführen. So kann man schnell erkennen, ob das Kind auf ein neues Lebensmittel allergisch reagiert oder nicht. Wichtig ist hierbei ebenfalls eine Absprache mit dem Kinderarzt.

Vitamin D und Fluorid

Die zusätzliche Gabe von Vitamin D zur Vorbeugung vor Rachitis und von Fluorid zur Vorbeugung vor Karies ist während des ersten Lebensjahres ratsam. Dies sollte aber im Einzelfall mit dem Kinderarzt abgesprochen werden.

Ernährung ab dem ersten Lebensjahr


Übersicht

Ab dem ersten Lebensjahr kann das Kind zusammen mit der Familie essen. Die Ernährung sollte ausgewogen und abwechslungsreich sein.

Beispiel für einen Tagesplan für ein 5-jähriges Kind:

Lebensmittel Menge Beispiel
Brot, Müsli 170 g / Tag 3 Scheiben Brot
2 EL Haferflocken
Kartoffeln, Reis, Nudeln, Getreide 120 g / Tag 1 große Kartoffel oder
4 EL gekochter Reis
Gemüse 180 g / Tag 2 kl. Möhren
2 EL Erbsen
1 kl. Tomate
Obst 180 g / Tag 1 kl. Apfel + 1 kl. Banane/Birne oder
1 mittlere Nektarine + ½ mittlerer Apfel
Milch, - produkte 350 g / Tag 1,5 Tassen Milch oder Kakao + 1 Joghurt oder
2 Tassen Milch + 1 Scheibe Käse
Fleisch, Wurstwaren 60 g / Tag 2 Scheiben Wurst oder
½ Schnitzel
Fisch 100 g / Woche ½ Seelachsfilet
Margarine/Butter/Öl 20 g / Tag 1 EL Öl + 2 TL Butter/Margarine
Getränke 800 ml / Tag 3 Tassen Tee +
2 Gläser Mineralwasser / Saft


Beispiel Fischstäbchen

Da Kinder gerne Fischstäbchen essen, nachfolgend ein Fett- und Energievergleich zwischen Seelachsfilet und Fischstäbchen

Art der Fischmahlzeit Energie Protein Fett Kohlenhydrate
150 g Seelachsfilet 130 kcal 27 g 1 g 0 g
5 Fischstäbchen (150 g ) 300 kcal 20 g 10 g 25 g


Spezielle, für Kinder beworbene Produkte

"So wertvoll wie ein kleines Steak" oder "...enthält die wichtigsten Bestandteile aus gut einem ¼ Liter Milch", das sind die Slogans, die jeder kannt. Aber sind die Produkte auch wirklich so gut wie die Werbebranche uns glauben machen möchte?

Nachfolgend werden einige Lebensmittel etwas genauer unter die Lupe genommen.


1. NUTELLA - ein wichtiger Calcium-Lieferant?

  in 100 g in 1 EL % des Tagesbedarfs
Eiweiß 7 0,7 g 2 %
Calcium 130 mg 13 mg 1,4 %
Magnesium 75 mg 7,5 mg 3 %
Eisen 3 mg 0,3 mg 2 %
Vitamin B2 0,2 mg 0,02 mg 1,5 %
Vitamin B6 0,13 mg 0,01 mg 0,7 %
Vitamin E 8 mg 0,8 mg 6,6 %

NUTELLA sollte daher besser nicht als Calcium-Quelle herangezogen werden.


2. KINDER - SCHOKOLADE

Geworben wird immer mit dem Zusatz ".. enthält die wichtigsten Bestandteile aus gut einem Viertel-Liter Milch". Dies mag wohl richtig sein. Nur kann man einen Viertel-Liter Milch nicht mit einer ganzen Tafel Schokolade gleichsetzen, denn:
Kinder-Schokolade enthält nur geringe Mengen mehr an Calcium, Vitamin B1 und B2 als andere Schokoladen.
100 g Schokolade haben 31 g Fett, dies ist bereits die Hälfte der Gesamt-Fett-Menge, die ein Kind täglich aufnehmen sollte.
Nicht zu vergessen ist der hohe Zuckeranteil bei Schokolade: er ist zehnmal so hoch wie in der gleichen Menge Milch
Die Energie, die geliefert wird, deckt schon ein Viertel des täglichen Energiebedarfes
Vergleicht man nun noch die täglich empfohlenen Mengen der ausgewiesenen Vitamine mit der Menge, die von einem Riegel Schokolade geliefert wird, so sieht man, daß die Menge verschwindend gering ist:


  Gesamt-Tagesbedarf
eines zehnjährigen Kindes
ein Riegel deckt
vom Tagesbedarf
Vitamin B1 1,2 mg 1,3 %
Vitamin B2 1,4 mg 5 %
Calcium 900 mg 4,4 %


3. Sind Müsliriegel gesünder als Schokoriegel?

Müsliriegel ist nicht gleich Müsliriegel. Müsliriegel enthalten in der Regel zwischen 20 und 30 Prozent Zucker. In der gleichen Größenordnung liegt auch der Zuckergehalt von Schokoriegeln. Mit einem Müsli aus Getreideflocken, Nüssen und Rosinen sind beide auf keinen Fall gleichzusetzen.

Auch die Frühstückscerealien wie Pops, Snacks und ähnliche Produkte sind häufig mit viel Zucker überzogen. Als Zusatz zu Getreideflocken oder ab und zu verzehrt, sind sie akzeptabel, aber als Ballaststoff- und Vitaminquellen ebenfalls nicht mit Getreideflocken zu vergleichen.

Auch der finanzielle Aspekt ist nicht zu vernachlässigen. In den meisten Fällen sind sogenannte "Kinder-Lebensmittel" teurer als vergleichbare herkömmliche Lebensmittel. Deshalb lohnt es sich, das Kosten-Nutzen-Verhältnis einmal genau zu analysieren.

Literatur

Empfehlungen für die Ernährung von Säuglingen
Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund, 1995

DGE-Info 9/97, S. 131 - 133

Aktuelle Ernährungs-Medizin 19 (1994), S. 160 - 169